Guten Abend, liebe Freunde!
Heute war wieder ein anstrengender Tag, aber nachdem sich einige sicher über den Lofoten-Bericht freuen werden, le voilà!

Bevor wir am Donnerstag Richtung Norden aufbrechen konnten, hatten wir am Nachmittag – meiner Meinung nach überflüssigerweise - unser Probeexamen im Norwegischkurs. Das echte Examen wird Anfang Dezember stattfinden. Bis dahin sind es allerdings auch nur mehr 2 Monate, die Zeit vergeht hier so unglaublich schnell…
Naja, auf jeden Fall sind wir Donnerstagabend losgefahren mit dem Ziel einfach noch ein Stückchen weit nach Norden zu kommen. Nach ca. 3h auf der E6 haben wir das Auto an einem Parkplatz abgestellt und probiert, ob man mit umgeklappten Hintersitzen bequem darin schlafen kann. Meiner Meinung nach ist das Experiment (das wir bis zum Ende noch einige Mal wiederholt haben) gut gelungen. Was einerseits daran liegt, dass ich nicht ganz so groß bin, und zweitens, dass mein neuer Schlafsack so schön warm ist. Zachi war glaube ich nicht ganz so zufrieden. Allerdings hatten wir in den folgenden Tagen auch nie die Gelegenheit ein Zelt aufzustellen (Schuld daran war die ungünstige Kombination aus Sturm und Dauerregen)…

Am nächsten Tag sind wir das lange Stück bis zu den Lofoten gefahren. Eigentlich wollten wir in Bodø die Fähre nach Moskenes nehmen. Allerdings wäre die schon am Nachmittag gefahren (und in der Nebensaison setzt sie nur einmal täglich über) und da die zweite Möglichkeit, die Fähre von Skutvik nach Svolvær zu nehmen, wegen der Tageszeit auch nicht geklappt hat, haben wir uns für die dritte Variante entschieden und spätabends die Fähre von Bognes nach Lødingen genommen.
Bis dahin durften wir aber auf der wie eine Weltreise scheinenden Strecke (allein bis Bognes über 800 km meist bei Tempo 80) u.a. den Polarkreis bei 66°33’ nördlicher Breite passieren. Im Reiseführer stand, dass der
Parkplatz vor dem Polarkreiszentrum immer maßlos überfüllt sei. Dass wir absolut die einzigen weit und breit waren (und das Zentrum geschlossen hatte), war nicht das erste Zeichen dafür, dass die touristische Saison wohl wirklich vorbei ist. Während der ganzen Tage haben wir einmal ein Auto aus Hamburg getroffen, zwei Schweden waren auch noch auf der Strecke. Ansonsten alles nur Norweger (oder zumindest norwegische Autos).
Als wir nach der Fährüberfahrt wieder anlegten (genaugenommen waren wir da noch nicht auf den Lofoten, sondern auf einer Insel davor, die mit einer Brücke mit den Lofoteninseln verbunden ist), haben wir uns wieder einen netten Parkplatz zum Übernachten gesucht. Das ist am Abend in der Dunkelheit gar nicht so einfach. Erstens weil man nichts sieht und zweitens weil es wenig Parkplätze gibt, wo man länger als 4h stehen bleiben darf.

Am nächsten Morgen wurden wir wieder einmal vom Regen geweckt…und bevor wir einen längeren Stopp in Svolvær auf der Insel Austvågoy einlegten, fuhren wir nach Digermulen. Das ist ein kleiner Ort auf Hinnøya, der bereits Kaiser Wilhelm II. gefallen hat. Auf der anderen Seite des Meeresarmes liegt der bekannte Trollfjord. Das Wetter war aber ziemlich durchwachsen, so dass unser Plan, eine Wanderung zu machen, verregnet wurde.
Wir fuhren einige Orte auf der Insel Vestvågoy ab. Das Panorama mit den steilen Bergen, die abrupt ins Meer abfallen, war einfach unglaublich. Zwischendrin hat die Natur ein paar herrliche weiße Sandstrände eingestreut. Mit türkisblauem Meer und den steilen Bergen kommt es einem irgendwie auch so unwirklich vor. Nur das Wetter (echtes Lofotenwetter!) hat uns glücklicherweise daran erinnert, dass wir in Norwegen waren. Neben dem Sturmwind hat es tatsächlich so viel geregnet, dass die Straße und wohl auch die Keller der benachbarten Häuser eines Örtchens voll überschwemmt waren und wir quasi "furten" mussten.

Vor dem Nusfjord – laut einigen Reiseführern der schönsten Ort der Lofoten - haben wir übernachtet. Am nächsten Tag haben wir uns trotz Regenguss die Ortbesichtigung und einen Spaziergang am Fjord nicht nehmen lassen, ganz nach dem Motto „es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Ausrüstung“! (Meine Studienkollegen hatten Recht: eine Regenhose ist in Norwegen eine gute Investition…)
Nach einigen Stunden und Sandstränden, steilen Bergen, unglaublichen Aussichtspunkten u.v.m. waren wir Sonntag Abend beinahe am Ende der Insel angekommen. Im Ort Å (gesprochen „Oh“), dessen Buchstabe an
letzter Stelle im norwegischen Alphabet steht, endet die E 10 (= die Straße, die durch die Lofoten führt). Dort gibt es u.a. ein Stockfisch-Museum, das um diese Jahreszeit
leider (wie alle anderen Attraktionen außer der Natur selbst) geschlossen hatte. Aber die Stockfische hingen schön aufgereiht zum Trocknen an der frischen Luft. (Wer hat Interesse, einen zu verspeisen?)
Im Ort davor, in Reine auf der Insel Moskenes, haben wir den Reinebringen bestiegen. Das ist ein Berg, auf den man ungefähr eine Stunde einfach nur unglaublich steil bergauf geht. Als Belohnung haben wir dafür einen atemberaubenden Panoramablick bekommen, den wir euch nicht vorenthalten können. Was sich auf den Bildern leider nicht darstellen lässt, sind die Windböen (zu Hause eher Orkanböen) auf dem Grat, die wir etwas unangenehm fanden, zumal es auf der anderen Seite des Berges steil hinab ging.




Nach einer letzen Nacht im Auto, haben wir am nächsten Morgen in aller Früh die einzige Fähre des Tages von Moskenes zurück nach Bodø genommen. Mir bleibt die fast vierstündige Überfahrt wohl nicht ganz so gut in Erinnerung, da ich das erste Mal das zweifelhafte Vergnügen hatte, mit der Seekrankheit bekannt zu werden und richtig "sjøsyk" war. Zachi hat das doch beträchtliche Geschaukel glücklicherweise nichts ausgemacht.
Obwohl wir es eigentlich nicht vorhatten, sind wir danach an einem Tag die ganze Strecke von Bodø nach Trondheim zurückgefahren. In der Nähe von Bodø haben wir dem Saltsraumen, dem stärksten Gezeitenstrom der Welt, einen Besuch abgestattet. Hier strömen imWechsel von Ebbe und Flut fast 400 Millionen km³ Wasser durch einen 150 m langen und 2,5 km langen Kanal vom offenen Meer in den Fjord. Die Wassermassen erreichen dabei Geschwindigkeiten von bis zu 40 km/h und es bilden sich gewaltige Strudel.
Der Polarkreis im Saltfjell war bei unserem Rückweg im Gegensatz zum Hinweg plötzlich verschneit. So langsam geht es dem Winter entgegen. Das wurde auch bei unserer Fahrt deutlich. Während über weite Strecken v.a. im Süden noch herbstliche Wälder das Bild dominierten, wurde der Anblick schon eher winterlich sobald man etwas höher ins Fjell kam.
Einen längeren Zwischenstopp gab es nochmal in Mosjøen, das ziemlich in der Mitte der Strecke nach Trondheim liegt. Ab da wollten wir eigentlich immer bald einmal stehen bleiben und übernachten. Aber die treibende Kraft, gleich nach Hause zu fahren, war die Vorfreude auf ein warmes Zimmer und ein weiches Bett. Im Auto wurde ja auch immer alles feucht wegen unseres kondensierenden Atems. Da das Thermometer zu dem Zeitpunkt satte 2°C Außentemperatur angezeigte, fiel die Entscheidung dann doch nicht so schwer, gleich heimzufahren.

Damit war ein schöner Kurz- und Vielfahrer-(2000 km)Urlaub zu Ende gegangen. Von den unzähligen Fotos, die wir gemacht haben, gibt es hier fürs erste eine kleine Auswahl.
Viele liebe Grüße aus Trondheim!
PS vom Coautor und Bilderordner: Man sollte ja glauben, Österreicher und Schweizer seien (neben der badischen Firma Herrenknecht natürlich ;) fleißige Tunnelbohrer. Weit gefehlt! Was sich die Norweger beispielsweise die Anbindung eines Weilers an das Straßennetz kosten lassen, ist unglaublich. (Geld haben sie ja.) Überhaupt sind wir auf dieser Strecke durch so viele Tunnels gefahren wie noch nie. Am imposantesten waren aber die beiden, die jeweils eine Lofoteninsel mit der nächsten verbinden und dabei unter einem Fjord hindurchführen, der natürlich entsprechend tief ist...