Dienstag, 4. November 2008

Bergen (Teil 1)

Hallo zusammen!

An diesem Wochenende haben wir es also endlich geschafft, den Vorurteilen der Trønder gegenüber den Bergensern auf den Grund zu gehen. Und wie so oft dürfte an den Aussagen natürlich etwas Wahres dran sein, der Hauptgrund ist aber wahrscheinlich die Rivalität bzw. gar der Neid.

Bergen ist nun eben einmal mit 250 000 Einwohnern unbestreitbar die zweitgrößte Stadt Norwegens. Und man muss sagen, in Bergen fühlt man sich auch deutlich mehr in einer Großstadt als in Trondheim. Das könnte einerseits daran liegen, dass Bergen durch 7 relativ steil aufragende Berge eingeschlossen wird, sich also nicht weiter ausbreiten konnte und damit dicht gedrängter wirkt als Trondheim. Zum anderen hatte Bergen schon im Mittelalter u.a. auch über die Hanseaten viel Kontakt zur "großen weiten Welt" - wahrscheinlich mehr als zum Hinterland, wie auch der Spruch "Ich komme aus Bergen, nicht aus Norwegen" vermuten lässt.

Eine Sache, die hingegen in Trondheim größer ist, ist die NTNU, unsere Uni, auch wenn selbst diese Rangfolge zu Uneinigkeit führt. Außerdem ist Rosenborg Trondheim der norwegische Fußballrekordmeister (u.a. 1992-2004 und 2006), Brann Bergen hingegen der Meister des letzten Jahres (was unseren Sprachlehrer heute nicht daran gehindert hat, Brann als dårlig = schlecht zu bezeichnen).

Nun fehlt zu dieser Einführung in die Meinungslage eigentlich nur noch der allgegenwärtige Spruch, dass es in Bergen doch die ganze Zeit regnet. Ganz von der Hand zu weisen ist diese Behauptung allerdings nicht, da es in Bergen mit über 2500 mm Niederschlag und 250 Regentagen im Jahr mehr als dreimal so viel regnet wie in Karlsruhe oder Graz. Damit ist Bergen die regenreichste Großstadt Europas.

Das waren also unsere Vorkenntnisse, bevor wir am Samstagmorgen in den Norwegian-Flieger stiegen und die Reise, die mit dem Auto einen Tag und mit dem Zug 16 Stunden dauert, innerhalb von 50 Minuten hinter uns brachten. Samstag früh war es hier in Trondheim ja noch recht glatt, aber sonnig, sodass der Flug wirklich toll war. Außer dem Blick auf Trondheim selbst haben wir auf eine verschneite Winter- und Gebirgslandschaft bei Sonnenaufgang herabgeblickt. Dabei sind wir auch über das Trollheimen-Gebirge geflogen, wo wir den Snota (siehe frühere Berichte) gut erkennen konnten. Jetzt liegt dort schon um einiges mehr Schnee!

In Bergen haben wir dann den Flybussen genommen, der einen in einer halben Stunde vom Flughafen in die Stadt bringt. Anschließend sind wir mit einem weiteren Bus zu Ulrike gefahren, einer Freundin aus dem Sommer-Sprachkurs, die uns freundlicherweise Unterkunft gewährte. Sie hatte am Wochenende viele Proben für das Konzert am Sonntag, sodass wir die Stadt häufig alleine erkundet haben. Dabei sind wir eigentlich immer zu Fuß gegangen, wodurch wir einen recht guten Eindruck bekamen. Den ersten Überblick haben wir uns auf einem Spaziergang über den Fløyen (einer der 7 Berge) verschafft. Und es hat nicht geregnet, im Gegenteil: Sonne! Von da oben überschaut man die ganze Stadt und den Fjord und ist trotzdem nah genug dran, um Details zu erkennen, u.a. das alte hanseatische Stadtviertel Bryggen und die Festung.

Unten im Stadtzentrum sind wir am Samstag kurz über den Fischmarkt und bei Bryggen vorbei gegangen und haben uns die Halbinsel Nordnes mit hübschen kleinen Gässchen und Parks angeschaut, wo u.a. das Aquarium steht. Besonders geehrt durfte ich mich dann wegen eines Hauses und eines Cafes fühlen, die meinen Namen tragen (wo gibt's denn sowas?).

Am Abend hat es dann doch noch angefangen zu regnen, aber mehr davon im 2. Teil unseres Bergen-Berichts.

Hilsen

2 Kommentare:

Anja hat gesagt…

Ein klassischeres Norwegen Bild als das letzte geht ja kaum noch, sehr schön.
Ich fahr jetzt aufs Jungfraujoch und schau mal was die Schweiz zzu bieten hat!
grüßle Anja

Anonym hat gesagt…

hiho! das hört sich ja alles toll an. Wenn ich mich an den Fischmarkt zurückerinnere sind mir 2 sachen geblieben: die faszination über die Steinbeißer mit seinen scharfen Zähnen und der fischgeruch...wobei der damals in dem Lagerraum für getrockneten Stör im Hanse-Haus um einiges schlimmer war :)