Zum Abschluss eines wunderschönen, aber auch seeehr kalten Tages mit Skitour will ich mich mal wieder bei euch melden und von meinen Aktivitäten hier berichten. Die heutige Tour muss allerdings noch warten, da es zuvor einiges über das Wochenende zu schreiben gibt. Offensichtlich komme ich gar nicht mehr nach.
In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag letzter Woche kam Torsten, ein Medizinerkollege von Teresa und "Nachbar" in Trondheim mit dem Flugzeug hier an, um sich diesen nördlichen Außenposten der Zivilisation etwas näher anzusehen. Leider ist genau dies schwierig, wenn man sich nicht einer geführten Touristengruppe anschließt oder eben jemanden kennt. Ohne Gewehr geht außerhalb der Ortschaft ja schon mal gar nichts. Aus diesem Grund war es auch etwas ungünstig, dass unsere Kursplanung geändert wurde und wir sowohl Donnerstag als auch Freitag Vorlesungen bzw. Übungen hatten. Da mein Besuch ausschlafen wollte, war aber zumindest der Donnerstagvormittag schon mal kein Problem.

Am Nachmittag sind wir dann zu einer kleinen Erkundungstour zur "Julenissegruva" aufgebrochen. Dies ist eines der vielen Kohlebergwerke hier in der Umgebung und liegt ein gutes Stück oberhalb von Nybyen (früher Kohlearbeiterbarracken, heute Studentendorf) am Hang. Da in der Mine schon länger nicht mehr gearbeitet wird, die Gebäude aber nicht wirklich abgesperrt sind, gibt es dort viel zu erkunden. Sogar in den Stollen kommt man ein gutes Stück hinein. Was mich aber am meisten verwundert hat, ist der Schnee, der sich selbst in den Häusern in großen Mengen angesammelt hatte. Und natürlich die alten Gebrauchsgegenstände, die noch überall herumstehen. Für den Heimweg haben wir die direkte Route auf Plastiktüten nach unten gewählt.
Am Freitag war Fabiennes Geburtstag. Passenderweise hatten wir neben der "normalen" Data processing-Übung auch noch eine Vorlesung mit Übung über Eisradar. Auch wenn wir in Svea ja schon mit dem Radar "gespielt" hatten, so war das Thema trotzdem noch einigermaßen interessant. Danach holten wir uns beim Student equipment die Ausrüstung für den nächsten Tag und organisierten uns Scooter für die große Tour. Außerdem wurden natürlich Geburtstagskuchen gebacken. Am Abend gab es bei Tobias feine Pangasius-Filets und natürlich viel zu viel Kuchen. Warum haben die Leute nur einmal im Jahr Geburtstag?!
Am Samstag konnten wir Torsten (zumindest nach meinem Empfinden) dann richtig was bieten. Wir liehen uns zu sechst drei Scooter und machten uns bei bestem Wetter auf den Weg zur
kalbenden Gletscherfront von Tuna- und Van Postbreen am Tempelfjorden. Auf den insgesamt ca. 150 km konnte Torsten die Grundlagen des Scooterfahrens erlernen - und er hat sich wirklich sehr gut geschlagen (sage ich als sein Mitfahrer). Auf dem Weg zur Gletscherfront kommt man an imposanten Bergformationen durch. Speziell die allfälligen Schichtstufen scheinen typisch für Spitzbergen zu sein. Im Tempelfjorden hat sich ein Schiff extra für Touristen einfrieren lassen. Obwohl wir da natürlich nicht rein durften, wollten wir es doch aus der Nähe begutachten.
Richtig spannend wurde es aber danach. Wir konnten unserem Gast neben einigen Robben nämlich sogar einen Eisbär "zeigen". Für uns war das innerhalb von drei Wochen nun schon der dritte. Manche Leute schaffen es in einem ganzen Jahr auf Svalbard nicht, einen zu sehen...
Sehr beeindruckend war dann auch die Gletscherfront. Während sie aus der Ferne noch recht klein aussah, zeigte sich aus der Nähe wie riesig die Abbruchkante ist. Und unglaublich blau! Auf dem Fjordeis und in sicherer Entfernung von der Kante haben wir unsere Mittagspause verbracht. Auch der Heimweg mit unseren Scootern verlief problemlos. Auch wenn die geliehenen Scooter den Geldbeutel doch etwas strapazierten, war diese Tour auf jeden Fall alle Anstrengung wert!
An Sonntag war das Wetter nicht ganz so gut wie erwartet. Daher nahmen wir von einer längeren Skitour Abstand und besuchten anstattdessen die Morain cave im Larsbreen (neben dem Longyearbreen der andere Gletscher gleich hier vor der Haustür).
Diese Höhle unterscheidet sich sowohl von ihrer Entstehung als natürlich auch vom Erscheinungsbild her deutlich von der Ice cave der ersten Woche. In diesem Fall wurde man auch richtig dreckig, da man viel durch enge Ritzen kriechen muss. Diese Höhle ist definitiv nichts für Leute mit Klaustrophobie. Des Schmutzes an den Kleidern entledigten Torsten und ich uns dann dadurch, dass wir den Schneehang hinunterhurgelten.Später waren wir dann klettern und am Abend besuchte Torsten mit Fabienne und Frode das großartige Svalbard Kino, während Tobias und ich in der Halle Fußball spielten. Das hat auch mal wieder richtig Spaß gemacht!
Am Montag verließ Torsten Longyearbyen mit mindestens einem weinenden Auge. Anscheinend ist er eine von den Personen, die vom Svalbard-Virus angesteckt wurden und unbedingt zurückkommen müssen. Aber es ist ja auch wirklich toll hier. Danke für den netten Besuch!
Liebe Grüße
2 Kommentare:
Die Bilder sind fantastisch! Da kann sich wirklich leicht ein Virus ausbreiten...
Grüße aus dem Schmuddelwetter im Süden
M.
Ja wirklich tolle Bilder! Den Eisbären habt ihr nicht zufällig auch photographiert bekommen?
Lg, Luisa
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