Mittwoch, 1. April 2009

Schneehöhle und Lawine hautnah

Hallo zusammen!

Auch wenn es auf das Ende meiner wunderschönen Zeit in Spitzbergen zugeht und sich das Examen nähert, gibt es außer von Lernerei doch noch von anderem zu berichten. Wie schon im Titel zu erkennen, hat alles mit viel Schnee zu tun.

Eigentlich wollten wir am Wochenende ja mit dem Minenarbeiter-Flugzeug (kostenlos) nach Svea fliegen und die Tage dort in der UNIS-cabin verbringen. Daraus wurde aber nichts, da die meisten Flüge - wie im letzten Eintrag schon angedeutet - am Freitag wegen schlechten Wetters ausfallen mussten. Das eine Flugzeug, das dann doch geflogen wäre, konnte uns nicht mitnehmen, da sie am Montag für den Heimflug keinen Platz mehr gehabt hätten. (Am Wochenende selbst gibt es sowieso keine Flüge.)
Unsere Ersatzidee für das Wochenende war eine Zwei-Tages-Tour mit Ski und Zelt, da wir unbedingt in der Kälte draußen schlafen (oder zumindest übernachten) und das Trip Wire (Eisbären-Stolperdraht mit Leuchtraketen) austesten wollten. Wir hatten auch schon eine Rundtour durch das Endalen ausgesucht. Leider musste auch diese Aktion wegen schlechtem Wetter und fehlenden Isomatten im Student Equipment ausfallen.
Daher beschlossen wir am Samstag, unsere eigene Schneehöhle zu graben und machten uns auf die Suche nach einem geeigneten Ort. Erstens musste genug Schnee liegen (deutlich über zwei Meter) und zweitens sollte die Lawinengefährdung möglichst gering sein, da diese Gefahr hier derzeit sehr hoch ist. Wir fanden einen schönen, geschützten Platz am Fuße des Sarkofagen (der steile Berggrat hinter Nybyen). Unter Frodes sachkundiger Anleitung begannen wir mit dem Graben einer richtig großen Höhle. Leider trafen wir irgendwann auf Stein, was unsere Maße etwas einschränkte. Wir brachten es in vier Stunden aber dennoch auf eine geräumige Höhle mit zwei Räumen, in denen man sitzen und jeweils zwei Personen schlafen konnten.
Ausgetestet wurde die Schneehöhle Samstagnacht nur von mir, da die anderen nach einer Weile Party im Huset keine Lust mehr hatten, dorthin umzuziehen. Daher ging ich alleine mit halb geladenem Gewehr, Signalpistole und Messer zur Höhle. Das Trip Wire war leider in einem mir nicht zugänglichen Raum eingeschlossen. Dennoch schaffte ich es einzuschlafen und kalt wurde es eigentlich auch erst gegen Morgen.
Am Sonntag war Lauras Geburtstag und schönes Wetter. Trotz müder Glieder (Höhlenübernachtung bzw. Party) nutzten Tobias, Fabienne und ich den Tag zu einer kleinen Skitour auf den Sarkofagen. Die anschließende Abfahrt im "Powder" war viel zu schnell vorbei. Dabei wollte ich doch ein bisschen Telemark üben...
Am Abend kam das Trip Wire dann doch noch zum Einsatz, da wir diesmal zu mehreren in der Schneehöhle übernachteten. Auch in dieser Nacht gab es keine erwähnenswerten Vorkommnisse und zumindest ich konnte relativ viel schlafen. Unser Professor, den ich in Trondheim schon hatte, verzieh uns dann sogar unsere Müdigkeit.

Dass die wirklich gefährlichen Sachen nicht auf Touren, sondern häufig im Alltag passieren, mussten wir dann am Montag auf dem Heimweg von der Uni nach Nybyen erleben. Als ich nach einem lauten Knall vom Berghang nach oben schaute, waren die losen Schneemassen schon den halben Hang (mehr als 400 Höhenmeter) heruntergekommen. Wir konnten uns dann noch kurz überlegen, ob die Lawine uns erreichen würde und in welche Richtung wir auf der Straße rennen sollten. Glücklicherweise verlangsamte sich die Lawine, da der Hang abflacht. Sie überquerte zwar noch die Straße, aber wir entkamen um ein paar Meter und bekamen nur noch die gesamte begleitende Schneewolke ab. Wir kamen also mit dem Schrecken und einer Erfahrung mehr davon. Danach war die Talstraße für einen Tag gesperrt. Ursache der Lawine war wohl eine Wächte auf dem Grat, die auf den Steilhang fiel und die Lawine auslöste. Dasselbe konnte natürlich auch weiterhin an allen anderen Stellen passieren.
Tatsächlich geschah dies auch - und zwar am nächsten Morgen. In diesem Fall waren wir schon in der Uni. Offensichtlich sollte die Wächte auf dem Grat gesprengt werden, fiel dann aber schon vor der Zündung hinunter und löste eine zweite Lawine aus. Beide Lawinen zerstörten jeweils einen der hölzernen Seilbahntürme der stillgelegten Mine, die sicher schon viele Winter ausgehalten haben. Mit einer Breite von ca. 100 m war "unsere" Lawine aber wohl die größere.
Nach diesen Geschehnissen scheint unser Uniweg nun wieder sicher zu sein. Viel mehr Schnee kann jedenfalls nicht mehr herunterkommen. Ein Problem besteht allerdings weiterhin. Nybyen liegt ähnlich gefährdet. Zum Glück wohne ich in einem der hangferneren Häuser, sodass ich mir da keine Sorgen mache.
Ihr dürft mir für die letzten Tage (und für die Klausur am Freitag) natürlich trotzdem die Daumen drücken.

Liebe Grüße

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Wir drücken die Daumen und hoffen, dass deine letzten Tage noch schön sind.
Grüße aus dem sonnigen, warmen Süden
M.