Samstag, 11. April 2009

Heimreise

Hallo miteinander!

Abschiede sind nicht immer einfach, aber man soll ja bekanntlich gehen, wenn es am schönsten ist. Nach erlebnisreichen Monaten im (teilweise höchsten) Norden dürfen wir nun erstmal neuen Abenteuern in südlicheren Gefilden ins Auge blicken. Nachdem der Name des Blogs bei einem neuerlichen Nordenaufenthalt (den wir uns beide aber absolut vorstellen können!) zeitlich überholt wäre, wird dies hier der letzte Eintrag sein.

Wie schon im vorigen Blogeintrag erwähnt, wurden wir am Dienstag durch Oslo geführt (Danke an Jazz, Tobias und Laura) und konnten einen Eindruck von Norwegens Hauptstadt gewinnen. Im Vergleich zu Trondheim ist Oslo wirklich eine Großstadt und hat einiges an Sehenswürdigkeiten zu bieten.
Am Mittwoch zu Mittag ging es dann weiter in Richtung Schweden, Göteborg war das nächste Ziel. Die Fahrt dorthin ging relativ schnell (nicht zuletzt, da die Höchstgeschwindigkeiten auf den Autobahnen Richtung Süden immer zunahmen) und wir hatten am Nachmittag noch gut Zeit, durch die Stadt zu spazieren. Auch das Wetter war uns netterweise wieder hold. Göteborg ist die zweitgrößte Stadt in Schweden und hat auch einen großen Unicampus. Ebenfalls ein sehr netter Platz zum Studieren, aber nach der tollen Zeit in Trondheim hat es jede andere Stadt gerade schwer :)
Nach einer angenehmen Nacht in der Jugendherberge (leider gab keine Bekannten, die es in Schweden zu besuchen gab) ging es wieder weiter Richtung Süden. Mit den Fährfahrten hatten wir immer Glück und mussten kaum warten. Und da wir so gut voran kamen und auch das Wetter traumhaft war, machten wir in Dänemark einen Abstecher auf die Insel Møn zu den Kreidefelsen, die ins Meer brechen. Die Kombination vom türkisblauen Meer, Sonnenschein und den majestätischen weißen Felsen war sehr beeindruckend.

In Deutschland erwartete uns ein wunderschöner Sonnenuntergang (roter Feuerball) und die Frage nach dem weiteren Reiseverlauf tat sich auf. Eigentlich wollten wir Lübeck einen Besuch abstatten, aber dann kam uns die Idee, eine Freundin bei Hannover zu besuchen. Zu dumm, dass diese noch in Heidelberg war, denn damit standen wir vor dem Problem, dass es immer später wurde und wir nicht so recht wussten, wo wir unterkommen sollten. Da am nächsten Tag aber auch wieder ein ziemliches Verkehrsaufkommen auf deutschen Autobahnen angesagt war, entschlossen wir uns dafür, die Ruhe der Nacht zur Heimfahrt zu nutzen. Es war sehr angenehm zu fahren, da wenig Verkehr und keine Laster auf den Straßen anzutreffen waren. Auch Torstens Mutter war so nett und nahm seine Ski und Spikereifen zur grauen Morgenstund in Empfang. Damit war auch dieser Auftrag erfüllt!
In Reichenbach erwartete uns ein sehr herzlicher Empfang und allertollstes (Sommer!)Wetter.
Jetzt genießen wir unsere Ferien und wünschen "god påske".


Vielen Dank an euch alle für euer Interesse an unseren Erlebnissen und eure Kommentare.
Es war sehr schön, es hat uns sehr gefreut.

Ha det bra så lenge!

Dienstag, 7. April 2009

Rueckkehr aus der Arktis

Hallo zusammen!

Nur eine kurze Zustandsmeldung. Mittlerweile bin ich zurueck aus Svalbard. Nach der Klausur am Freitag (war ganz ok) und einem netten Samstag sind Fabienne und ich am Sonntag via Tromso nach Trondheim zurueckgeflogen. Das Wetter und die Aussicht waren spitze. Daher haben wir unsere 4 Stunden Aufenthalt in Tromso fuer eine kleine Stadtbesichtigung genutzt. Netterweise wurden wir von Teresa und Torsten dann um kurz vor 23 Uhr in Vaernes vom Flughafen abgeholt.

Am naechsten Morgen gab es bei Torsten ein feines Abschiedsfruehstueck und nach einigem Packen und Organisieren (z.B. Bankkonto aufloesen) sind Teresa und ich gegen halb vier am Nachmittag wehmuetigen Herzens von Trondheim losgefahren. Wir haben uns anstatt der E6, die wir im Sommer auf der Herfahrt genommen haben, fuer die E3 entschieden. Diese fuehrt durch das Oesterdalen und hat nicht so viele Attraktionen zu bieten, ist dafuer aber etwas schneller. Tatsaechlich haben wir es geschafft um 23 Uhr in Oslo zu sein, wo wir von Jazz trotz Uebermuedung (erst am Vormittag aus Svalbard zurueck) freundlichst aufgenommen wurden. Heute haben wir uns Oslo angeschaut. Nach Svalbard kommt einem natuerlich alles recht warm vor, aber man passt sich auch schnell wieder an. Oslo war jedenfalls sehr nett.

Viele Gruesse und bis bald

Mittwoch, 1. April 2009

Schneehöhle und Lawine hautnah

Hallo zusammen!

Auch wenn es auf das Ende meiner wunderschönen Zeit in Spitzbergen zugeht und sich das Examen nähert, gibt es außer von Lernerei doch noch von anderem zu berichten. Wie schon im Titel zu erkennen, hat alles mit viel Schnee zu tun.

Eigentlich wollten wir am Wochenende ja mit dem Minenarbeiter-Flugzeug (kostenlos) nach Svea fliegen und die Tage dort in der UNIS-cabin verbringen. Daraus wurde aber nichts, da die meisten Flüge - wie im letzten Eintrag schon angedeutet - am Freitag wegen schlechten Wetters ausfallen mussten. Das eine Flugzeug, das dann doch geflogen wäre, konnte uns nicht mitnehmen, da sie am Montag für den Heimflug keinen Platz mehr gehabt hätten. (Am Wochenende selbst gibt es sowieso keine Flüge.)
Unsere Ersatzidee für das Wochenende war eine Zwei-Tages-Tour mit Ski und Zelt, da wir unbedingt in der Kälte draußen schlafen (oder zumindest übernachten) und das Trip Wire (Eisbären-Stolperdraht mit Leuchtraketen) austesten wollten. Wir hatten auch schon eine Rundtour durch das Endalen ausgesucht. Leider musste auch diese Aktion wegen schlechtem Wetter und fehlenden Isomatten im Student Equipment ausfallen.
Daher beschlossen wir am Samstag, unsere eigene Schneehöhle zu graben und machten uns auf die Suche nach einem geeigneten Ort. Erstens musste genug Schnee liegen (deutlich über zwei Meter) und zweitens sollte die Lawinengefährdung möglichst gering sein, da diese Gefahr hier derzeit sehr hoch ist. Wir fanden einen schönen, geschützten Platz am Fuße des Sarkofagen (der steile Berggrat hinter Nybyen). Unter Frodes sachkundiger Anleitung begannen wir mit dem Graben einer richtig großen Höhle. Leider trafen wir irgendwann auf Stein, was unsere Maße etwas einschränkte. Wir brachten es in vier Stunden aber dennoch auf eine geräumige Höhle mit zwei Räumen, in denen man sitzen und jeweils zwei Personen schlafen konnten.
Ausgetestet wurde die Schneehöhle Samstagnacht nur von mir, da die anderen nach einer Weile Party im Huset keine Lust mehr hatten, dorthin umzuziehen. Daher ging ich alleine mit halb geladenem Gewehr, Signalpistole und Messer zur Höhle. Das Trip Wire war leider in einem mir nicht zugänglichen Raum eingeschlossen. Dennoch schaffte ich es einzuschlafen und kalt wurde es eigentlich auch erst gegen Morgen.
Am Sonntag war Lauras Geburtstag und schönes Wetter. Trotz müder Glieder (Höhlenübernachtung bzw. Party) nutzten Tobias, Fabienne und ich den Tag zu einer kleinen Skitour auf den Sarkofagen. Die anschließende Abfahrt im "Powder" war viel zu schnell vorbei. Dabei wollte ich doch ein bisschen Telemark üben...
Am Abend kam das Trip Wire dann doch noch zum Einsatz, da wir diesmal zu mehreren in der Schneehöhle übernachteten. Auch in dieser Nacht gab es keine erwähnenswerten Vorkommnisse und zumindest ich konnte relativ viel schlafen. Unser Professor, den ich in Trondheim schon hatte, verzieh uns dann sogar unsere Müdigkeit.

Dass die wirklich gefährlichen Sachen nicht auf Touren, sondern häufig im Alltag passieren, mussten wir dann am Montag auf dem Heimweg von der Uni nach Nybyen erleben. Als ich nach einem lauten Knall vom Berghang nach oben schaute, waren die losen Schneemassen schon den halben Hang (mehr als 400 Höhenmeter) heruntergekommen. Wir konnten uns dann noch kurz überlegen, ob die Lawine uns erreichen würde und in welche Richtung wir auf der Straße rennen sollten. Glücklicherweise verlangsamte sich die Lawine, da der Hang abflacht. Sie überquerte zwar noch die Straße, aber wir entkamen um ein paar Meter und bekamen nur noch die gesamte begleitende Schneewolke ab. Wir kamen also mit dem Schrecken und einer Erfahrung mehr davon. Danach war die Talstraße für einen Tag gesperrt. Ursache der Lawine war wohl eine Wächte auf dem Grat, die auf den Steilhang fiel und die Lawine auslöste. Dasselbe konnte natürlich auch weiterhin an allen anderen Stellen passieren.
Tatsächlich geschah dies auch - und zwar am nächsten Morgen. In diesem Fall waren wir schon in der Uni. Offensichtlich sollte die Wächte auf dem Grat gesprengt werden, fiel dann aber schon vor der Zündung hinunter und löste eine zweite Lawine aus. Beide Lawinen zerstörten jeweils einen der hölzernen Seilbahntürme der stillgelegten Mine, die sicher schon viele Winter ausgehalten haben. Mit einer Breite von ca. 100 m war "unsere" Lawine aber wohl die größere.
Nach diesen Geschehnissen scheint unser Uniweg nun wieder sicher zu sein. Viel mehr Schnee kann jedenfalls nicht mehr herunterkommen. Ein Problem besteht allerdings weiterhin. Nybyen liegt ähnlich gefährdet. Zum Glück wohne ich in einem der hangferneren Häuser, sodass ich mir da keine Sorgen mache.
Ihr dürft mir für die letzten Tage (und für die Klausur am Freitag) natürlich trotzdem die Daumen drücken.

Liebe Grüße

Freitag, 27. März 2009

Nordenskiøld Toppen und Höhle ausgraben

Hallo zusammen!

So ein paar "days off" sind was Feines. Nachdem wir nach unserer durchgearbeiteten Woche in Svea nie frei bekommen haben, dürfen wir der Uni jetzt gerade fern bleiben. Die zweite Gruppe ist von der Feldarbeit zurückgekehrt und darf sich nun ans Processing machen.
Unser erster freier Tag war der Dienstag. Aber auch am Montag mussten wir nur am Vormittag in der Uni sein, sodass wir nachmittags noch auf dem Larsbreen skifahren konnten - einmal die halbe Tour zum Trollsteinen hoch, bis wir die Sonne erreichten, und dann wieder runter.

Für Dienstag war dann tolles sonniges Wetter angesagt. Daher nahmen wir uns für diesen Tag die Tour auf den Nordenskiøld Toppen vor, der mit 1050 m der höchste Gipfel hier in der Umgebung ist. Tobias, Fabienne und ich schafften es sogar, Frode zu überzeugen mitzukommen. Natürlich bedeutete schöner Tag auch wieder sehr kalter Tag. Schon in Meeresnähe zeigte das Thermometer knapp -30 Grad. Neben Problemen mit seinen Fellen, die nicht auf den Ski haften wollten, bekam Frode auch gleich wieder einen weißen Fleck (einmal dagewesen, kommt sowas bei der nächsten Gelegenheit schnell wieder). Mit den Fellen sollten auch Tobias und zuletzt ich noch Probleme bekommen. Auch Tapen half nichts, da bei diesen Temperaturen einfach nichts klebt. Aus dem Tal aufgestiegen sind wir durch das steile Tverdalen, das laut unserem Logistic Department noch die beste Möglichkeit darstellt, auch in Hinsicht auf Lawinen. Nach einem kleinen Steilstück kommt man auf die Hochebene des Platåfjellet auf ungefähr 500 m Seehöhe. Wenig später meinte Frode dann, er wolle umdrehen, da er nicht genug Energie zu haben glaube. Zum Glück hatten wir neben dem Gewehr noch eine Signalpistole dabei, die wir ihm zum Schutz mitgeben konnten.
Zu dritt versuchten wir dann erst über einen der Rücken zum Gipfel aufzusteigen. Da es dort aber zu steil und eisig wurde, haben wir uns doch für den Scooterweg über den Gletscher entschieden. Leider hat es dort auch etwas gewindet. Das einzige, was richtig schlecht war, war Pause zu machen. Da geht es ziemlich schnell, dass man einzelne Finger oder Zehen nicht mehr spürt. Deshalb sind wir, abgesehen von den technischen Pausen wegen Fellproblemen, fast in einem durch auf den Gipfel hochgegangen. Am Ende war Fabienne die einzige, die noch Ski unter den Füßen hatte. Tobias und ich haben getragen und sind gewandert. Auf dem Gipfel selbst waren wir dann natürlich auch nur kurze Zeit. Aber der Rundblick ist einfach toll. Man sieht natürlich die ganze nähere Umgebung, aber auch weiter über den Isfjord hinaus. Und die ganze Zeit blauer Himmel!
Der Weg nach unten war abwechselnd sehr spaßig mit feinem Pulverschnee und dann wieder hässlich wegen eisigen Stellen und Scooterspuren. Besonders mit den geliehenen Fjellski war das natürlich nicht immer einfach und ich habe mich oft gezielt hinfallen lassen. ;) Spaß gemacht hat es aber allemal und zumindest wird einem dabei nicht kalt. Eine sehr empfehlenswerte Tour!

Seit Mittwoch ist das Wetter nun aber eher schlecht, v.a. aufgrund starker Winde, die den Schnee verblasen. Daher war ich weniger draußen und habe mehr drinnen gemacht, z.B. klettern und Fußball spielen. Gestern Nachmittag wurde außerdem in der Uni der Film "Planet Earth" mit vielen wunderschönen Tier- und Naturaufnahmen gezeigt.
Da wir aber trotzdem etwas unternehmen wollten, haben wir das Unternehmen "Übernachtung in der Höhle" in Angriff genommen. Wegen ihrer Nähe zum heimischen Bett haben wir uns dabei für die Moraine Cave am Larsbreen entschieden. So sind wir also am Mittwoch kurz vor Mitternacht ausgerüstet mit Schneeschaufel dorthin gezogen. Als wir an der besagten Stelle ankamen, war außer vier roten Stecken, die nur noch knapp aus dem Schnee ragten, gar nichts zu sehen. Der Wind hatte enorm viel Schnee den Hang hinunter und in den Eingang der Höhle hinein geblasen. Nach ungefährer Abschätzung, wo der Eingangstunnel denn nun lag, begannen wir zu graben - und gruben und gruben. Nach zwei Metern Schnee und viel Zeit trafen wir endlich auf das Holzbrett, das die Touristenführer zum Verschließen der Höhle in den Tunnel einsetzen. Die Überraschung kam, als wir dieses entfernt hatten: nur eine weiße Wand dahinter! Also gruben wir noch mehr als einen Meter weiter, bis wir den Tunnel gefunden hatten. Ich war in dieser Nacht dann aber doch der einzige, der in der Höhle war, da wir schon während des Grabens beschlossen hatten, dass wir nicht in ähnlicher Weise eingeschlossen werden wollten, wie wir zuvor ausgeschlossen waren. Immerhin windete es fröhlich weiter...
Gestern stellte sich heraus, dass unsere Entscheidung richtig war. Als wir die Höhle zur Kontrolle nochmals aufsuchten, war der Eingang wieder mindestens genauso weit zugeweht und außer einem glatten Berghang nichts zu sehen. Naja, immerhin haben wir uns erfolgreich durch drei Meter Schnee gewühlt, die Höhle gefunden und mussten selbst nicht ausgebuddelt werden. Solch ein Erlebnis hat man sicher auch nur einmal.

Nun warten wir gerade auf Nachricht vom "Kohlenflugzeug" nach Svea, da wir gerne das Wochenende in einer Hütte dort verbringen wollen. Aber es ist halt nicht sicher, ob wir einen Platz im Flieger bekommen - und ob der bei diesem Wetter überhaupt startet.

Ich wünsche ein schönes Wochenende.

Dienstag, 24. März 2009

Nette Touren mit Besuch aus Trondheim

Hallo zusammen!

Zum Abschluss eines wunderschönen, aber auch seeehr kalten Tages mit Skitour will ich mich mal wieder bei euch melden und von meinen Aktivitäten hier berichten. Die heutige Tour muss allerdings noch warten, da es zuvor einiges über das Wochenende zu schreiben gibt. Offensichtlich komme ich gar nicht mehr nach.

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag letzter Woche kam Torsten, ein Medizinerkollege von Teresa und "Nachbar" in Trondheim mit dem Flugzeug hier an, um sich diesen nördlichen Außenposten der Zivilisation etwas näher anzusehen. Leider ist genau dies schwierig, wenn man sich nicht einer geführten Touristengruppe anschließt oder eben jemanden kennt. Ohne Gewehr geht außerhalb der Ortschaft ja schon mal gar nichts. Aus diesem Grund war es auch etwas ungünstig, dass unsere Kursplanung geändert wurde und wir sowohl Donnerstag als auch Freitag Vorlesungen bzw. Übungen hatten. Da mein Besuch ausschlafen wollte, war aber zumindest der Donnerstagvormittag schon mal kein Problem.
Am Nachmittag sind wir dann zu einer kleinen Erkundungstour zur "Julenissegruva" aufgebrochen. Dies ist eines der vielen Kohlebergwerke hier in der Umgebung und liegt ein gutes Stück oberhalb von Nybyen (früher Kohlearbeiterbarracken, heute Studentendorf) am Hang. Da in der Mine schon länger nicht mehr gearbeitet wird, die Gebäude aber nicht wirklich abgesperrt sind, gibt es dort viel zu erkunden. Sogar in den Stollen kommt man ein gutes Stück hinein. Was mich aber am meisten verwundert hat, ist der Schnee, der sich selbst in den Häusern in großen Mengen angesammelt hatte. Und natürlich die alten Gebrauchsgegenstände, die noch überall herumstehen. Für den Heimweg haben wir die direkte Route auf Plastiktüten nach unten gewählt.

Am Freitag war Fabiennes Geburtstag. Passenderweise hatten wir neben der "normalen" Data processing-Übung auch noch eine Vorlesung mit Übung über Eisradar. Auch wenn wir in Svea ja schon mit dem Radar "gespielt" hatten, so war das Thema trotzdem noch einigermaßen interessant. Danach holten wir uns beim Student equipment die Ausrüstung für den nächsten Tag und organisierten uns Scooter für die große Tour. Außerdem wurden natürlich Geburtstagskuchen gebacken. Am Abend gab es bei Tobias feine Pangasius-Filets und natürlich viel zu viel Kuchen. Warum haben die Leute nur einmal im Jahr Geburtstag?!

Am Samstag konnten wir Torsten (zumindest nach meinem Empfinden) dann richtig was bieten. Wir liehen uns zu sechst drei Scooter und machten uns bei bestem Wetter auf den Weg zur kalbenden Gletscherfront von Tuna- und Van Postbreen am Tempelfjorden. Auf den insgesamt ca. 150 km konnte Torsten die Grundlagen des Scooterfahrens erlernen - und er hat sich wirklich sehr gut geschlagen (sage ich als sein Mitfahrer). Auf dem Weg zur Gletscherfront kommt man an imposanten Bergformationen durch. Speziell die allfälligen Schichtstufen scheinen typisch für Spitzbergen zu sein. Im Tempelfjorden hat sich ein Schiff extra für Touristen einfrieren lassen. Obwohl wir da natürlich nicht rein durften, wollten wir es doch aus der Nähe begutachten. Richtig spannend wurde es aber danach. Wir konnten unserem Gast neben einigen Robben nämlich sogar einen Eisbär "zeigen". Für uns war das innerhalb von drei Wochen nun schon der dritte. Manche Leute schaffen es in einem ganzen Jahr auf Svalbard nicht, einen zu sehen...
Sehr beeindruckend war dann auch die Gletscherfront. Während sie aus der Ferne noch recht klein aussah, zeigte sich aus der Nähe wie riesig die Abbruchkante ist. Und unglaublich blau! Auf dem Fjordeis und in sicherer Entfernung von der Kante haben wir unsere Mittagspause verbracht. Auch der Heimweg mit unseren Scootern verlief problemlos. Auch wenn die geliehenen Scooter den Geldbeutel doch etwas strapazierten, war diese Tour auf jeden Fall alle Anstrengung wert!

An Sonntag war das Wetter nicht ganz so gut wie erwartet. Daher nahmen wir von einer längeren Skitour Abstand und besuchten anstattdessen die Morain cave im Larsbreen (neben dem Longyearbreen der andere Gletscher gleich hier vor der Haustür). Diese Höhle unterscheidet sich sowohl von ihrer Entstehung als natürlich auch vom Erscheinungsbild her deutlich von der Ice cave der ersten Woche. In diesem Fall wurde man auch richtig dreckig, da man viel durch enge Ritzen kriechen muss. Diese Höhle ist definitiv nichts für Leute mit Klaustrophobie. Des Schmutzes an den Kleidern entledigten Torsten und ich uns dann dadurch, dass wir den Schneehang hinunterhurgelten.
Später waren wir dann klettern und am Abend besuchte Torsten mit Fabienne und Frode das großartige Svalbard Kino, während Tobias und ich in der Halle Fußball spielten. Das hat auch mal wieder richtig Spaß gemacht!

Am Montag verließ Torsten Longyearbyen mit mindestens einem weinenden Auge. Anscheinend ist er eine von den Personen, die vom Svalbard-Virus angesteckt wurden und unbedingt zurückkommen müssen. Aber es ist ja auch wirklich toll hier. Danke für den netten Besuch!

Liebe Grüße

Sonntag, 22. März 2009

Fotos von der Seismik auf dem Sysselmannbreen

Einen wunderschönen Sonntagmorgen!

Da ich mal wieder zu früh aufgewacht bin (gibt noch kein Frühstück), nutze ich die Gelegenheit und stelle ein paar Fotos von unserer explosiven Woche auf dem Gletscher auf den Blog. Ich werde an dieser Stelle nicht alle Bilder kommentieren, freue mich aber über Nachfragen!

Liebe Grüße

PS für alle mit anderer Bildschirmauflösung als ich: Seht fürs Erste über die verschobene Seiteneinteilung hinweg und freut euch an den Bildern... ;)



















































































Donnerstag, 19. März 2009

Viel Abenteuer

Hallo zusammen!

Seit gestern Nachmittag bin ich zurück von Gletscher, Fjordeis, Eisbär und Nordlicht. Die Woche in Svea und auf dem Sysselmannbreen war sehr abenteuerlich und erlebnisreich - wahrscheinlich so sehr, dass ich das jetzt nicht einfach so mal schnell hier beschreiben kann. Natürlich gibt es auch Bilder, die noch nachgeliefert werden. Allerdings habe ich seit Mitternacht Besuch von Torsten aus Trondheim, sodass wir natürlich anderes unternehmen.

Die "Highlights" der Woche will ich an dieser Stelle aber dennoch nicht verschweigen. Und da gehört das Wetter in jedem Fall dazu... An zwei Tagen war es so schlecht, dass wir nicht arbeiten konnten. Dies lag vor allem am stürmischen Wind und Schneefall (der Snowstreamer verträgt nur Windgeschwindigkeiten unter 7 m/s). Am einen dieser Tage sind wir trotzdem über den Van Mijen-Fjorden zu unserem Untersuchungsgebiet gefahren (täglich mehr als 100 km Snowscooter fahren :). Dabei konnten wir recht gut erleben, was ein "White-out" ist. Glücklicherweise fanden wir trotzdem ohne Probleme wieder heim. Außerdem ist Scooterfahren bei Sturm natürlich doppelt schwer, besonders an steilen Hängen. Mit diesen Gefährten lässt sich nämlich so einiges im Gelände anstellen (auch im Bezug auf das Tempo ;). Es ist nur relativ anstrengend, da man mit vollem Körpereinsatz fahren muss, um nicht umzukippen.

Zum Wetter dazu gehört natürlich die Temperatur. Diese war am Sonntag eindeutig am tiefsten - ein wunderschöner klarer Sonnentag auf dem Gletscher. Nach realistischen Schätzungen lag die Temperatur bei -35°C. Wenn man bei diesen Bedingungen und etwas Wind den ganzen Tag draußen ist, muss wirklich alle bloße Haut bedeckt werden - und man muss etwas zu haben. Dass Handschuheausziehen keine besonders gute Idee ist, merkt man innerhalb von kürzester Zeit. Da ich an diesem Tag mit dem Befestigen der Zünder am Detonating cord (4 kg Sprengstoff pro Schuss) beschäftigt war, litten meine Finger natürlich sehr und mussten immer wieder reanimiert werden. Ansonsten hatte ich hauptsächlich kalte Füße und glücklicherweise sonst nie Probleme. Auch bei den anderen traten keine nennenswerten Erfrierungen (mehr als erster Grad) auf.

Für das Essen im "Feld" hatten wir immer Trockennahrung dabei, zu der man nur Wasser aus der Thermosflasche schütten muss und dann etwas rühren und ziehen lassen. Im Gegensatz zu den geschmierten Sandwiches einiger anderer Leute fror dieses Essen nicht ein und gab darüberhinaus noch warm. Außerdem fand ich es auch vom Geschmack her gar nicht so schlecht. Fabienne, Tobias und ich meinten an einem der langweiligen arbeitsverhinderten Tage gar, dass wir ein Dryfood dry-Wettessen machen müssten - natürlich ohne dabei etwas zu trinken. Sehr spaßig! Und jetzt wissen wir wenigstens, wie es schmeckt.
In Bezug auf das Essen waren wir in Svea, wo wir unsere Übernachtungscontainer hatten, rundum bestens versorgt. Jeden Morgen (früh) und Abend (spät) wurden wir zur Kantine der Kohlearbeiter gefahren und durften uns mit den besten Sachen voll essen. Dort gab es feinen Fisch und auch viel Fleisch, was man sonst ja niemals bezahlen könnte. Neben der interessanten Arbeit auf dem Gletscher ist das ein wichtiger Grund, warum wir eigentlich viel lieber dort geblieben wären, als nun hier am UNIS die Daten auszuwerten. Beinahe wäre daraus auch etwas geworden, da den gesamten Dienstag lang alle Flüge von Svea nach Longyearbyen ausgefallen sind (Wetter). Auch gestern hatten wir noch Probleme hierher transportiert zu werden und unser Gepäck kam erst viel später.

Die Eisbären müssen natürlich auch erwähnt werden. Ich habe tatsächlich zwei Exemplare gesehen. Der erste zeigte sich auf unser Scooter-Hinfahrt von Longyearbyen nach Svea in einer sicheren Entfernung von geschätzten 800 m. Der zweite hingegen war ziemlich nah und wenn wir nicht im Auto gesessen wäre, so wäre die Situation ziemlich brenzlig gewesen. In 20 m Entfernung ging ein prächtiger Eisbär seines Weges, suchte etwas am/im Boden und scherte sich gar nicht um die schaulustigen Autofahrer auf der Straße. Eine sehr majestästische Erscheinung des größten Landraubtieres!
Auch eine Robbe sah ich vom Snowscooter aus. Als ungeübter Beobachter kann man sich da meist nicht so sicher sein, ob dunkle Stellen nun Eis, Stein oder wirklich ein Tier sind. In meinem Fall begann der Fleck sich dann aber zu bewegen, robbte ein Stück vor und verschwand in einem Eisloch. Nicht alle Leute waren so glücklich, beim Scooterfahren so aufmerksam zu sein... ;)

Zuletzt darf natürlich auch das Nordlicht nicht fehlen. Endlich habe ich es gesehen! Als wir an einem klaren Abend vom Essen zurückfuhren, bemerkte unser Fahrer das Licht am südlichen Horizont. Es war ein heller Streifen Grün, der sich fast nicht bewegte. Vielleicht kann ich beim nächsten Mal ja sogar Bilder davon machen.

Wie ihr euch vorstellen könnt, hatte ich also eine sehr interessante und erlebnis-/abenteuerreiche Woche am Rande der Zivilisation.
Liebe Grüße

Montag, 9. März 2009

Für eine Woche Abenteuer

Kurze Nachricht.
Bis Mittwoch nächste Woche bitte keine Vermisstenmeldung aufgeben. Ich bin bei der Feldarbeit im Süden der Insel. Übernachten werden wir in Svea. Von dort aus fahren wir jeden Tag mit Scootern über eine Stunde und über den Fjord zum Messen auf dem Sysselmansbreen und die umliegenden Gletscher.
Eine schöne Woche und drückt mir die Daumen!

Sonntag, 8. März 2009

Eishöhle und Skitour auf den Trollsteinen

Hei alle sammen!

Det er en stor glede for meg å kunne skrive om en vellykkede helg. Das Wochenende war wirklich sehr schön und erlebnisreich. Sowohl gestern als auch heute waren wir draußen und haben tolle Sachen gesehen. Wie ihr auf den Fotos sicher schon gemerkt habt, sind die Tage hier nämlich keineswegs dunkel und kurz. Nur weil die Sonne erst am heutigen Tage zum ersten Male nach Longyearbyen ins Tal geschienen hätte (so sie denn zu sehen gewesen wäre), heißt das ja noch lange nicht, dass es kein Licht gibt. Tatsächlich ist es hier spätestens um 8 Uhr einigermaßen hell und bleibt so bis um 18 Uhr. Da macht man sich sonst vielleicht falsche Vorstellungen...

Gestern haben wir (Laura, Jazz, Fabienne, Tobias und ich) das einigermaßen gute Wetter genutzt und sind mit voller Ausrüstung (siehe gestriger Eintrag) auf den Longyearbreen (Gletscher) gewandert. Da über denselben auch ein recht wichtiger Scootertrack führt, war nicht viel mit ruhiger Wanderung. Aber relativ weit oben auf dem Gletscher versteckt sich der Eingang zu einer wirklich sehenswerten Höhle. Der Schmelzwassertunnel ist auf einer geschätzten Länge von 500 m begehbar und birgt verschiedene tolle Eis"skulpturen". Neben unzähligen Stalagmiten und Stalagtiten gibt es ganze Vorhänge, aber auch knubbelige Formen und Steine, die in den unmöglichsten Positionen festgefroren sind. Die Höhle (oder zumindest der begehbare Teil) endet dann in einem zugefrorenen See. Weil es so schön war, brachten wir natürlich eine ganze Weile in der Höhle zu. Leider war es Laura zu unheimlich, sodass sie weitestgehend draußen blieb. Für mich war es die bislang schönste Eishöhle!

Für heute hatten wir uns dann auf Ausschlafen und einen Besuch des Sonnenfestes geeinigt. Nur im Falle von "gutem Wetter" sollte der Erstaufgewachte die anderen aufwecken. Da mir diese ehrenvolle Rolle zukam, durfte ich entscheiden, ob Wolken mit hoher Basis gutes Wetter bedeuten oder nicht. Ich entschied für "ja" und so machten wir uns auf Tour zum Trollsteinen. Dieser ist ein 837 m hoher Bergrücken hinter dem Larsbreen, von dem aus man eine wunderschöne Aussicht auf den Fjord und die umliegenden Täler genießen kann. Bevor wir uns aufmachten, gab es allerdings noch einige Probleme mit dem Material. Kurzentschlossen wollten wir uns Fjellski leihen, da nur Fabienne Tourenski besitzt und dabei hat. Nachdem jeder passende Schuhe gefunden hatte, gab es noch technische Probleme mit meiner Bindung, die dazu führten, dass ich mit ungefähr 2 m langen Telemarkski losging. Bei Laura hielten die Felle zum Bergaufsteigen nicht, sodass sie leider umkehren musste. Fabienne, Jazz, Tobias und ich kamen dann aber ganz gut in wiederum zwei Stunden über den Larsbreen auf den Trollsteinen. Steil war es eigentlich nur am Ende am Gipfelgrat für eine kurze Zeit.
Wir hatten Glück und keine Wolken in Gipfelhöhe, als wir gerade oben waren. So konnten wir neben Longyearbyen, dem Fjord und dem EISCAT-Radar noch eine weitere Radarstation sehen. Das Wetter änderte sich dann aber doch noch etwas und es zog zu, sodass fast alles um uns herum weiß war. Dennoch war das "Abfahren" natürlich ein Riesenspaß, da drei unter uns das zumindest mit dem vorhandenen Material nicht gerade gut beherrschten. So häufig bin ich in letzter Zeit jedenfalls selten in den Schnee gefallen. Trotzdem war diese, meine erste Skitour toll!

In die Moraine Cave am Larsbreen, eine weitere Eishöhle, haben wir dann gar nicht mehr hineingeschaut. Aber diesen Ausflug werden wir sicher auch mal noch machen. Am Abend waren wir nun noch im Kino (ja, sowas gibts in Longyearbyen, zumindest einmal in der Woche ;) und haben uns den verrückten Film "Yes man" angeschaut. Mit dabei war mein norwegischer Zimmernachbar, der seit einer Woche auf sein beim Flug verschollenes Gepäck wartet. Sehr praktisch, speziell in diesen Breiten... Morgen wird er sich wohl endgültig was Warmes kaufen müssen, da wir am Dienstag ja schon zur Feldarbeit aufbrechen.

Noch eine Meldung für alle Eisbärfreunde. Gestern wurde im Adventdalen ein Bär gesichtet. Später wanderten in derselben Gegend wohl zwei ungewaffnete Leute herum. Da ist es vielleicht doch besser, wenn man zu seinem Schutz was mitnimmt.

Viele Grüße und eine schöne Woche!

Uniwoche und Abendveranstaltungen

Hallo!

Nach vier Tagen Funkstille will ich nun endlich mal wieder einige Nachrichten aus der Arktis posten. Es ist ja durchaus nicht so, dass man hier nichts zu tun hat oder erlebt - eher im Gegenteil. Aber nach dem Ende des Sicherheitskurses am Dienstag kehrte immerhin in der Uni etwas Ruhe ein und die Vorlesungen zu unserem "Polar Seismic Exploration" Kurs begannen. Zuerst ging es in einer Wiederholung um die Grundlagen der Seismik, weiterhin um das Processing der Daten.

Außerdem fand ein offizielles Sicherheits- und Informationstreffen zu unserer Feldarbeit statt, bei dem auch alle professionellen Teilnehmer anwesend waren. Da haben wir endlich erfahren, was das Ziel unserer Arbeit sein wird und wo und wie das ganze stattfinden wird. Dazu werde ich sicher mal noch mehr schreiben und eine Karte zeigen. Nur so viel schon mal: Unser Kurs ist an einem ziemlich großen und (auch kosten)aufwändigen Projekt beteiligt. Da das Ganze in der Form wohl nicht noch einmal stattfinden wird, haben wir ziemliches Glück, daran teilnehmen zu dürfen. Für die Feldarbeit fahren bzw. fliegen wir nach Svea und von dort aus jeden Tag mehr als eine Stunde mit Schneescootern über den zugefrorenen Fjord zu unserem Untersuchungsgebiet auf mehreren Gletscher. Dazu wurden wir in zwei Gruppen eingeteilt, die jeweils eine ganze Woche dort mit Snowstreamern und recht großen Mengen Explosiva Daten über den Untergrund gewinnen werden. Alles scheint sehr gut durchgeplant zu sein und vor allem die Logistikabteilung am UNIS hat schon viel Vorarbeit geleistet. Diese Leute werden im Feld dann auch sagen, wann es zu gefährlich wird und wir ein Emergency Camp aufstellen müssen u.ä.. Da ich in Gruppe 1 eingeteilt wurde, startet das Unternehmen für mich am Dienstag.

Aber auch außer der eigentlichen Uni fand einiges statt. Einmal waren wir im Svalbard-Museum, das im selben Gebäudekomplex untergebracht ist wie UNIS. Es ist von überschaubarer Größe und recht nett anzuschauen. Dort gibt es auch (in ausgestopfter Form) den letztgeschossenen Eisbären auf Svalbard, der 2005 in Notwehr aus 1,5 m Entfernung erlegt wurde.
An einem anderen Abend waren wir in der Sporthalle von Longyearbyen klettern. Dort kann man sich die gesamte Ausrüstung frei ausleihen, was natürlich sehr nett ist. Die Kletterwand ist gar nicht so klein und es hat richtig Spaß gemacht. Auch ansonsten gibt es hier für Studenten viel auszuleihen. Neben dem Gewehr, das ich seit Mittwoch in meinem Zimmer aufbewahre, haben wir uns aus dem gut funktionierenden Student Equipment Verleih Helme, Steigeisen, Eisäxte und GPS besorgt. Mit all diesen Sachen (ohne Gewehr außerhalb der Siedlung geht gar nicht) sind wir heute auf den Gletscher gewandert und haben uns eine sehr nette Eishöhle angeschaut. Fotos und mehr dazu später.
Am Donnerstagabend gab es im UNIS-Gebäude eine öffentliche Vorführung von Aufnahmen der BBC für deren Nature-Programm. Einige Szenen z.B. auch des Kinofilms "Planet Earth" sind ja hier auf Svalbard entstanden. Außerdem wurden natürlich tolle Aufnahmen von Eisbären, Polarfüchsen und Vögeln gezeigt. Einige süß, einige auch eher traurig stimmend, aber immer beeindruckend.
Außerdem gibt es am UNIS am Ende der Woche immer ein Friday evening gathering, wo sich die Studenten und teilweise auch die Professoren in der netten Kantine der Uni am Feuer versammeln und Party machen. Und ich muss sagen, die Alkoholpreise sind hier tatsächlich deutlich niedriger als auf dem Festland (tax free). Besonders nützlich ist es natürlich, sich da auch mit erfahrenen Svalbard-Studenten auszutauschen, die einem z.B. sagen können, wo der Eingang zur Eishöhle versteckt ist...

Dorthin gehts das nächste Mal.
Guts Nächtle!

Dienstag, 3. März 2009

Sicherheitskurs

Hallo in den Süden!

Entgegen einiger Vermutungen bin ich noch keinem Eisbären zum Opfer gefallen. Dass genau das (und einiges andere) nicht passiert, dafür hatten wir nun ja zwei Tage lang einen Sicherheitskurs, der sehr erlebnisreich war. Gestern (am Montag) hätte der Eisbär eine Kugel verpasst bekommen, heute wäre ich ihm mit dem Snowscooter davongefahren... ;)

Zur Begrüßung am Montagmorgen haben wir uns einen einstündigen allgemeinen Vortrag über Sicherheit auf Svalbard und am UNIS (siehe auch deren Webseite) angehört. Darin wurden alle essentiellen Dinge über Wetter, Gletscher, Sicherheitsausrüstung, Schusswaffen, Snowscooter usw. erwähnt, u.a. die Notwendigkeit, jedes Fleckchen Haut zu bedecken, da man sonst sehr schnell Erfrierungen hat. Das ist bei den Verhältnissen hier ja aber auch kein Wunder. Heute Morgen hatte es -18°C und ziemlich starken Wind (laut unserem Vortragenden 22 m/s). Da kann man sich vorstellen (oder in den entsprechenden Tabellen zum Windchill-Effekt nachschauen), was dann die effektive Kühlleistung ist.
Diese Kälte durften wir natürlich auch schon in Ansätzen erleben. Schließlich wäre es langweilig, direkt neben der Uni zu wohnen. Daher dürfen wir jeden Morgen drei Kilometer von unserer Barackensiedlung zum Fjord hinuntergehen. Viel kälter war es aber beim Schießtraining. Im Prinzip sind Eisbären ja geschützt. Aber wenn es nicht anders geht und die Situation lebensgefährlich wird, muss man das nette Tier leider töten. Daher wurden wir auf dem UNIS-Schießplatz, der ein gutes Stück oberhalb des Fjords liegt, in das Rifle-Schießen eingeführt. (Ganz in der Nähe liegt auch das "Global Seed Vault", eine riesige Gendatenbank im Berg.)

Geschossen wird hauptsächlich mit Kaliber 30-06 für Großwildjagd. Das gibt natürlich auch einen guten Rückstoß. Bei einem der abgegebenen Schüsse habe ich wohl das Gewehr nicht richtig an die Schulter gedrückt (trotz aller guten Ratschläge), sodass ich es heute noch etwas spüre. Ansonsten hat das Schießen aber trotz eisiger Kälte und Wind gut geklappt. Zumindest auf die Rentiere neben der Schießbahn hat es aber wohl keinen großen Eindruck gemacht. Sie blieben einfach liegen und wussten wohl, dass ihnen trotz scharfer Munition nichts passiert. Ein kleines Kälteopfer war allerdings zu beklagen. Obwohl wir gegen den Willen unseres Ausbilders eigentlich alle Handschuhe beim Schießen anhatten, froren einer Kollegin die Finger zumindest soweit ein, dass sie auch heute in den Fingerspitzen noch nicht das volle Gefühl zurückerlangt hat. Aber glücklicherweise keine Frostbeulen...
Bevor ein Eisbär geschossen wird, gibt es aber natürlich viele Schritte, die durchgeführt werden müssen. So lernten wir auch theoretisch das Verhalten in verschiedenen Situationen, bei denen es zu einem Aufeinandertreffen von Mensch und Bär kommt, u.a. das Einschüchtern und die Signalpistole, kennen.
Gestern Nachmittag wurde uns im Materiallager von UNIS die Sicherheitsausrüstung für die Feldarbeit gezeigt. UNIS hat verschiedene Boxen mit Material für bestimmte Gebiete zusammengestellt, z.B. Gletscherrettung, Survivalbox für 3 oder 5 Personen, Snowscooter-Repairkit und natürlich gibt es Avalanche beacons, Emergency beacons und Satelliten-Telefone. Zum Schluss mussten wir dann noch das Notzelt in der Halle aufstellen.

Das Nette an UNIS ist, dass das gesamte Universitätszentrum in einem Gebäude untergebracht ist, das ich recht gemütlich finde. Innen ist alles mit Holz verkleidet und die Schuhe werden am Eingang ausgezogen und man läuft mit Socken oder Schlappen herum. Außerdem ist das Materiallager bzw. die Logistikabteilung natürlich recht groß und gut ausgestattet. Schließlich müssen alle Studenten für Feldarbeit bei widrigen Bediungen ausgerüstet werden.

Am heutigen Tag waren dann die Snowscooter dran, sowohl theoretisch als auch praktisch. Nach einem einführenden Vortrag, in dem natürlich auch die häufigsten Unfallursachen mit netten Fotos von Gletscherspalten und Meereis vorkamen, wurde uns in der Werkstatt gezeigt, was man an einem Snowscooter alles selbst machen kann/muss. Verwendet werden bei UNIS nur noch größere Viertakter, die natürlich auch einiges auf die Waage bringen. An theoretisch beigebrachtem Fahrverhalten sind mir deshalb besonders die Zitate "Dance with the scooter" und "Move your ass" in Erinnerung geblieben. Tatsächlich muss man, v.a. wenn man kleiner und leichter ist, relativ viel mit Verlagerung des Körpergewichts arbeiten. Das geht bis dahin, dass man sich komplett an die eine Seite des Scooters hängt, wenn man an einem Hang entlang fährt. Man sollte es nicht glauben, aber die Dinger fallen relativ leicht um.
In zwei Fällen ist dann auch ein Snowscooter seitlich abgerollt, als wir nach der Mittagspause alles praktisch ausprobieren konnten. Zum Glück nicht meiner ;) und es ist auch nichts passiert. Für das Fahrtraining sind wir in ein Gletschertal gefahren und haben an den Hängen verschiedene Übungen gemacht. Ich war sehr erstaunt, dass wirklich jeder seinen eigenen Scooter zum Fahren bekam. Das Ganze hat natürlich super viel Spaß gemacht, war aber auch nicht ganz unanstrengend. Netterweise haben die Snowscooter eine einstellbare Griffheizung. Diese habe ich jedoch nach einiger Zeit ganz abgestellt, da ich sonst in dem tollen Scooteranzug samt Gesichtsmaske und Helm noch mehr geschwitzt hätte. Erst am Schluss unserer Ausfahrt bei höheren Geschwindigkeiten und stürmischem Wind hat man dann gemerkt, wie gut es ist, geeignete Kleidung zu tragen. Und natürlich wie wichtig es ist, alles abzudecken...

Morgen beginnt dann der eigentliche Kurs mit vielen erstmal theoretischen Vorlesungen. Abenteuerlich wird es aber sicher weiterhin sein. Und auf eine Nahbegegnung mit dem Eisbär z.B. zwischen den Häusern kann ich auch weiterhin verzichten.

Liebe Grüße

Sonntag, 1. März 2009

Ankunft in Svalbard

Hallo zusammen!

Nun bin ich also der einzig verbliebene Blogschreiber mit Berichten aus Norwegen. Tatsächlich befinde ich mich jetzt noch 15° nördlicher als wir in Trondheim sowieso schon die ganze Zeit waren. Wer mich besuchen mag: Ich bin bei 78°13' Nord und 15°38' Ost in Longyearbyen zu finden. Hier werde ich die nächsten fünf Wochen am UNIS einen Kurs in "Polar Seismic Exploration" machen.

Aber der Reihe nach. Nachdem ich meine liebste Mitbewohnerin und Ko-Autorin gestern zum Flugplatz gebracht hatte, war es in unserer Wohnung doch recht leer. Wir hatten eine wunderschöne Zeit zusammen in Trondheim. Ich habe dann noch eine ganze Weile mit Autopacken verbracht (wer nimmt denn soviel Zeug mit??). Dann musste auch ich ausziehen und unsere Schlüssel und die Wäschereikarte abgeben. Übernachten durfte ich netterweise bei Fabienne (aus Zürich), die auch mit mir hier Richtung Pol geflogen ist.

Heute Morgen mussten wir um halb vier aufstehen und mit schwerem Gepäck den Berg hinunterlaufen, um den Flybussen zu erreichen, der uns auf den Flug um 7:20 Uhr bringen sollte. Trotz der Müdigkeit hat das alles gut hingehauen. Komischerweise führte uns unsere Route (die billigste damals verfügbare) zuerst gen Süden nach Oslo, um danach über Tromsø nach Longyearbyen auf Spitzbergen weiterzugehen. Bereits in Oslo trafen wir auf drei Leute, die auch an unserem Kurs teilnehmen werden, mit denen wir natürlich weiterhin einen netten Tag hatten. Einer davon ist Tobias, der normalerweise auch in Karlsruhe studiert.

Teilweise zeigte sich das Wetter von seiner netten Seite und wir konnten rund um Tromsø und später beim Flug an der Küste Spitzbergens entlang schöne Berge sehen. Außerdem gab es natürlich weite vergletscherte Flächen zu bestaunen, da 60 % Svalbards von Gletscher bedeckt sind. Die hier hoch im Norden sehr niedrig stehende Sonne führte zu einer schönen Stimmung über der Landschaft. Alle Berge und Grate warfen sehr lange Schatten. In Longyearbyen selbst kann man die Sonne nach über 4 Monaten erst am 8. März wieder sehen. Dann gibt es hier ein großes "Solfest".

Unsere Landung in der Einöde verlief auch sehr ruhig. Aber es waren erstaunlich viele Leute an Bord. Anscheinend beginnt hier auch gerade die Touristensaison. Glücklicherweise ist es hier ja gerade mit -15°C relativ warm und es wehte nur schwacher Wind. Auch wenn die Sonne auch zur Mittagszeit noch nicht zurück ist, so war es um 14 Uhr natürlich noch lange nicht dunkel und wir konnten die beeindruckende Landschaft anschauen. Ein Kombi von UNIS holte uns ab und brachte uns in unsere Zimmer für die nächsten fünf Wochen. Wir haben Glück und sind in der neuesten der renovierten Kohlearbeiter-Baracken untergebracht. Die Zimmer sind sehr nett und wie der allmorgentliche halbstündige Marsch zur Uni bei eisiger Kälte wird, werden wir ja sehen.

Das "Achtung Eisbär"-Schild und die vielen Snowscooter (die gerade wieder Lärm vor meinem Fenster machen) haben wir natürlich schon gesehen. Und die hohen Preise im örtlichen Supermarkt, der netterweise drei Stunden geöffnet hatte, durften wir auch schon bewundern. Aber wenn man den ganzen Tag nichts gegessen hat... naja, einkaufen hätte so oder so sein müssen.

Jetzt bin ich gespannt auf den morgigen Tag. Auf dem Programm steht eine Sicherheitseinführung mit Erster Hilfe, Lawinenkunde, Snowscooter-Infos und v.a. Umgang mit dem obligatorischen Gewehr zur Eisbär-Abwehr. (In jedem Studentenzimmer gibt es ein "Weapon Lock", wo man seine Waffe sicher abstellen kann.) Und auf die Temperatur- und Windverhältnisse bin ich natürlich besonders gespannt.

Viele Grüße aus diesem abenteuerlichen Landstrich in Polnähe

PS: Die nebenstehende Wettervorhersage von yr.no bedurfte einer Aktualisierung und gibt weiterhin die ungefähren Verhältnisse an meinem Aufenthaltsort an.