Draußen schneit es (wieder einmal) wie wild und da bietet es sich an, euch mit einem Blogeintrag zu vergewissern, dass wir unsere Zeit zu nutzen wissen. ;)Die letzten eineinhalb Wochen waren netterweise von Besuch geprägt. Am gleichen Tag, an dem Alex und Michi wieder nach Schottland geflogen sind, kam Anja, die zur Zeit in Zürich studiert, in Trondheim an. Sie hatte ihre Langlaufschi mit und das führte uns im Laufe der Woche sowohl in die Bymarka als auch in die Strindamarka. Allerdings haben wir bei diesen Ausflügen gelernt, dass gute Verhältnisse für "klassischen Stil" nicht unbedingt auch gute Bedinungen für "Skater" bedeuten (arme Anja). Trotzdem war die Tour (v.a. zur Estenstadhytte, wo wir auch schon im Herbst waren --> auch diesmal gab es die obligatorische
Zimtschnecke ;) sehr schön in dem frisch verschneiten Wald.Auch Trondheim wurde besichtigt und wir hatten Glück: Es gab sowohl Sonne als auch einen schönen Blick auf den Fjord. Einen netten Eindruck von der Stadt bekommt man nämlich von der Festung Kristiansten aus, die natürlich nicht ganz so ein Panorama bietet wie der Fernsehturm, dafür ist alles ein bisschen näher dran.
Der Abschluss der Woche sollte eine Hüttentour in der Nähe von Røros sein. Aber erstens kommt alles anders, zweitens als man denkt. Und ab einem gewissen Zeitpunkt hätte man die Tour auch nach "Murphys Gesetz" nennen können („Whatever can go wrong, will go wrong.“ ). Wobei es wirklich nur am Schluss zu einer Verkettung (! im wahrsten Sinne des Wortes) von
unplanmäßigen Zwischenfällen kam.Nun will ich aber chronologisch damit beginnen, dass wir uns Freitag in Richtung Røros aufgemacht haben. Die Autofahrt in das 150 km südöstlich von Trondheim gelegene Städtchen verlief in 2 h ziemlich ereignislos. Kein Elch ist uns vor's Auto gesprungen und weit und breit nur Einöde und Schnee. Røros liegt ziemlich nah an der Grenze zu Schweden und ist durch zweierlei Dinge bekannt. Einerseits ist die Kommune bekannt für das raue Klima,
das mit einem Kälterekord bei -50°C zu den kältestesten Stellen des Landes gehören kann. (Anmerkung: Trondheim hat es mit seiner Küstenlage und dem Golfstrom deutlich gemäßigter.)Bei uns war es aber glücklicherweise nicht ganz so kalt. Es hat anfangs relativ dicht geschneit und am Ende zeigte sich sogar die Sonne (es ist immer wieder überraschend, wie schnell das Wetter in Norwegen wechseln kann).
Der zweite Grund (und das ist der, warum wir Røros sehen wollten) ist die Tatsache, dass Røros als ehemalige Bergarbeitersiedlung (es wurde bis ins 20.
Jhd. Kupfer abgebaut) auf der "World Heritage List" der UNESCO steht. Die ganze Stadt besteht aus kleinen bunten Holzhäuschen und ist nicht nur ein beliebtes Fotomotiv, auch Filme (u.a. Szenen aus Pippi Langstrumpf) wurden hier gedreht. Am tollsten fand ich aber die Tatsache, dass fast alle Leute (von Kinder angefangen bis zu älteren Damen, die ihre Einkäufe erledigt haben) mit Schlitten durch die Stadt gefahren sind.Am Nachmittag wollten wir dann zu einer NTNUI-Hütte (der Sportverein von der NTNU vermietet Hütten), wo wir ca. eine halbe Stunde von Røros einen Parkplatz erreichen sollten, von dem aus man dann in einer weiteren Stunde die Hütte finden konnte. In der Beschreibung hieß es schon, dass sie "vanskelig" (= schwierig) zu finden sei. Wir hatten allerdings Karte und GPS-Gerät von Simon, der mit 3 anderen Kollegen nachkommen sollte. Sicherlich hätten wir die Hütte gefunden, allerdings hatten wir nicht mit dem gerechnet, was zuvor kommen sollte.
Wir waren noch einige Kilometer vom Parkplatz entfernt, an dem die Wanderung losgehen sollte, als wir vor einem nicht geräumten und steil bergauf gehenden Waldweg standen. Es war schnell klar, dass wir ohne Schneeketten mit unseren Alljahresreifen nicht hinaufkommen werden. Wir hatten auch Schneeketten, die allerdings ein etwas älteres Baujahr waren. Die erste war von
Anja und Zachi mit Gebrauchsanweisung mehr oder weniger schnell montiert und auch die zweite ließ sich montieren. Dann fuhren wir los, doch nach 10 m hatte sich die zweite Kette gelöst. Sie wurde wieder montiert und nach weiteren 10 m war die erste Kette komplett vom Reifen gelöst. Diese Kette sollte uns auch die nächsten 1,5 h (auf denen wir ca. 200m den Berg hinaufgefahren sind) beschäftigen. Immer wieder löste sie sich und am Ende passierte es, dass ein Glied, wo man sie einhaken sollte, nicht mehr da war. Damit war die Aktion "Schneekettenaufziehen" beendet. Doch Zachi wollte es ein letztes Mal versuchen und fuhr ein Stück des Weges hinunter, um Anlauf zu nehmen. Er verschwand hinter der Kurve und kam wenig später zu Fuß zurück. Das Auto stand angelehnt an einen Schneehügel am Straßenrand. Was war passiert? Beim Umdrehen ist er gegen einen Schneewall gefahren, der unter sich eine Vertiefung verbarg. Alles Ausbuddeln und Matten hinter den Reifen legen half nichts, denn das Auto saß auf. Da auch die anderen Kollegen noch ein Stück entfernt waren, entschlossen wir uns, zum nächsten Hof zu gehen und zu fragen,
ob uns nicht jemand herausziehen konnten. Abschleppseil war zum Glück eines im Auto.Am nächsten Haus fand Zachi eine ältere Dame vor, die auch gerne mit uns mitkam. Ihr Mazda (obwohl mit Spikes) konnte das Auto leider nicht "befreien". Wie durch einen Wink des Schicksals kam aber gerade in diesem Moment ein anderer Norweger des Weges, dem wir die Straße versperrten. Sein Geländejeep mit 4-Radantrieb hatte da schon mehr Chance auf eine Bergung des Opel-Astras. Unser Seil hielt auch gut und das Auto ließ sich herausziehen.
Allerdings fanden wir nach diesen Aktionen, dass die Abenteuer für diesen Tag genug waren, und so entschlossen wir uns dazu heimzufahren. Bis zum Parkplatz wären es noch einige Kilometer gewesen und danach ging es ja auch noch ein ganzes Stück bis zur Hütte. Zudem war es dann schon stockfinster als die anderen mit dem Leihwagen kamen. Auch sie haben den Hügel nicht geschafft, ließen aber das Auto stehen und wanderten los. Aber sie wollten ja auch das ganze WoE bleiben und nicht nur - wie wir - eine Nacht.
Unsere Entscheidung war am Ende eigentlich ganz richtig, denn ohne Skier (unser Wintersportler-Gast wollte nicht), wäre es laut Simon nach dem Parkplatz auch gar nicht mehr weitergegangen. Wir haben uns dann auf die längere Heimfahrt gemacht und uns am nächsten Tag mit Trondheims Marka begnügt und Anjas Original-Schweizer-Raclette Käse genossen.
Vielen Dank für den netten Besuch!
So, das wurde jetzt doch noch ein langer Bericht. Hoffe, es liest ihn auch jemand!
2 Kommentare:
Habe schon ungeduldig auf den Bericht und vor allem die Bilder gewartet.
Hübsch, der Astra im Schnee!!!
Røros scheint wirklich sehenswert zu sein!
Liebe Grüße M.A.
Naja immerhin hat das Auto ne deutsche Umweltplakete... ;)
VG Sven
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