Nun bin ich also der einzig verbliebene Blogschreiber mit Berichten aus Norwegen. Tatsächlich befinde ich mich jetzt noch 15° nördlicher als wir in Trondheim sowieso schon die ganze Zeit waren. Wer mich besuchen mag: Ich bin bei 78°13' Nord und 15°38' Ost in Longyearbyen zu finden. Hier werde ich die nächsten fünf Wochen am UNIS einen Kurs in "Polar Seismic Exploration" machen.
Aber der Reihe nach. Nachdem ich meine liebste Mitbewohnerin und Ko-Autorin gestern zum Flugplatz gebracht hatte, war es in unserer Wohnung doch recht leer. Wir hatten eine wunderschöne Zeit zusammen in Trondheim. Ich habe dann noch eine
ganze Weile mit Autopacken verbracht (wer nimmt denn soviel Zeug mit??). Dann musste auch ich ausziehen und unsere Schlüssel und die Wäschereikarte abgeben. Übernachten durfte ich netterweise bei Fabienne (aus Zürich), die auch mit mir hier Richtung Pol geflogen ist.Heute Morgen mussten wir um halb vier aufstehen und mit schwerem Gepäck den Berg hinunterlaufen, um den Flybussen zu erreichen, der uns auf den Flug um 7:20 Uhr bringen sollte. Trotz der Müdigkeit hat das alles gut hingehauen. Komischerweise führte uns unsere Route (die billigste damals verfügbare) zuerst gen Süden nach Oslo, um danach über Tromsø nach Longyearbyen auf Spitzbergen weiterzugehen. Bereits in Oslo trafen wir auf drei Leute, die auch an unserem Kurs teilnehmen werden, mit denen wir natürlich weiterhin einen netten Tag hatten. Einer davon ist Tobias, der normalerweise auch in Karlsruhe studiert.
Teilweise zeigte sich das Wetter von seiner netten Seite und wir konnten rund um Tromsø und später beim Flug an der Küste Spitzbergens entlang schöne Berge sehen. Außerdem gab es natürlich weite vergletscherte Flächen zu bestaunen, da 60 % Svalbards von Gletscher bedeckt sind. Die hier hoch im Norden sehr niedrig stehende Sonne führte zu einer schönen Stimmung über der Landschaft. Alle Berge und Grate warfen sehr lange Schatten. In Longyearbyen selbst kann man die Sonne nach über 4 Monaten erst am 8. März wieder sehen. Dann gibt es hier ein großes "Solfest".
Unsere Landung in der Einöde verlief auch sehr ruhig. Aber es waren erstaunlich viele Leute an Bord. Anscheinend beginnt hier auch gerade die Touristensaison. Glücklicherweise ist es hier ja gerade
mit -15°C relativ warm und es wehte nur schwacher Wind. Auch wenn die Sonne auch zur Mittagszeit noch nicht zurück ist, so war es um 14 Uhr natürlich noch lange nicht dunkel und wir konnten die beeindruckende Landschaft anschauen. Ein Kombi von UNIS holte uns ab und brachte uns in unsere Zimmer für die nächsten fünf Wochen. Wir haben Glück und sind in der neuesten der renovierten Kohlearbeiter-Baracken untergebracht. Die Zimmer sind sehr nett und wie der allmorgentliche halbstündige Marsch zur Uni bei eisiger Kälte wird, werden wir ja sehen.Das "Achtung Eisbär"-Schild und die vielen Snowscooter (die gerade wieder Lärm vor meinem Fenster machen) haben wir natürlich schon gesehen. Und die hohen Preise im örtlichen Supermarkt, der netterweise drei Stunden geöffnet hatte, durften wir auch schon bewundern. Aber wenn man den ganzen Tag nichts gegessen hat... naja, einkaufen hätte so oder so sein müssen.
Jetzt bin ich gespannt auf den morgigen Tag. Auf dem Programm steht eine Sicherheitseinführung mit Erster Hilfe, Lawinenkunde, Snowscooter-Infos und v.a. Umgang mit dem obligatorischen Gewehr zur Eisbär-Abwehr. (In jedem Studentenzimmer gibt es ein "Weapon Lock", wo man seine Waffe sicher abstellen kann.) Und auf die Temperatur- und Windverhältnisse bin ich natürlich besonders gespannt.
Viele Grüße aus diesem abenteuerlichen Landstrich in Polnähe
PS: Die nebenstehende Wettervorhersage von yr.no bedurfte einer Aktualisierung und gibt weiterhin die ungefähren Verhältnisse an meinem Aufenthaltsort an.
3 Kommentare:
Wow - das klingt alles sehr sehr spannend!
Ich wünsche dir viel Spaß im höchsten Norden.
Luisa
Das sieht doch recht hell aus, auch wenn die Sonne nicht über den Horizont kommt. Wir sind schon gespannt, was du über den Sicherheitskurs berichten wirst.
Liebe Grüße und keine kalten Füße
M.A.
Ist der Blog eingestellt oder bist du bereits einem Eisbären zum Opfer gefallen, da es keine News mehr gibt?
Liebe Grüße
M.
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