Entgegen einiger Vermutungen bin ich noch keinem Eisbären zum Opfer gefallen. Dass genau das (und einiges andere) nicht passiert, dafür hatten wir nun ja zwei Tage lang einen Sicherheitskurs, der sehr erlebnisreich war. Gestern (am Montag) hätte der Eisbär eine Kugel verpasst bekommen, heute wäre ich ihm mit dem Snowscooter davongefahren... ;)
Zur Begrüßung am Montagmorgen haben wir uns einen einstündigen allgemeinen Vortrag über Sicherheit auf Svalbard und am UNIS (siehe auch deren Webseite) angehört. Darin wurden alle essentiellen Dinge über Wetter, Gletscher, Sicherheitsausrüstung, Schusswaffen, Snowscooter
usw. erwähnt, u.a. die Notwendigkeit, jedes Fleckchen Haut zu bedecken, da man sonst sehr schnell Erfrierungen hat. Das ist bei den Verhältnissen hier ja aber auch kein Wunder. Heute Morgen hatte es -18°C und ziemlich starken Wind (laut unserem Vortragenden 22 m/s). Da kann man sich vorstellen (oder in den entsprechenden Tabellen zum Windchill-Effekt nachschauen), was dann die effektive Kühlleistung ist.Diese Kälte durften wir natürlich auch schon in Ansätzen erleben. Schließlich wäre es langweilig, direkt neben der Uni zu wohnen. Daher dürfen wir jeden Morgen drei Kilometer von unserer Barackensiedlung zum Fjord hinuntergehen. Viel kälter war es aber beim Schießtraining. Im Prinzip sind Eisbären ja geschützt. Aber wenn es nicht anders geht und die Situation lebensgefährlich wird, muss man das nette Tier leider töten. Daher wurden wir auf dem UNIS-Schießplatz, der ein gutes Stück oberhalb des Fjords liegt, in das Rifle-Schießen eingeführt. (Ganz in der Nähe liegt auch das "Global Seed Vault", eine riesige Gendatenbank im Berg.)
Geschossen wird hauptsächlich mit Kaliber 30-06 für Großwildjagd. Das gibt natürlich auch einen guten Rückstoß. Bei einem der abgegebenen Schüsse habe ich wohl das Gewehr nicht richtig an die Schulter gedrückt (trotz aller guten Ratschläge), sodass ich es heute noch etwas spüre. Ansonsten hat das Schießen aber trotz eisiger Kälte und Wind gut geklappt. Zumindest
auf die Rentiere neben der Schießbahn hat es aber wohl keinen großen Eindruck gemacht. Sie blieben einfach liegen und wussten wohl, dass ihnen trotz scharfer Munition nichts passiert. Ein kleines Kälteopfer war allerdings zu beklagen. Obwohl wir gegen den Willen unseres Ausbilders eigentlich alle Handschuhe beim Schießen anhatten, froren einer Kollegin die Finger zumindest soweit ein, dass sie auch heute in den Fingerspitzen noch nicht das volle Gefühl zurückerlangt hat. Aber glücklicherweise keine Frostbeulen...Bevor ein Eisbär geschossen wird, gibt es aber natürlich viele Schritte, die durchgeführt werden müssen. So lernten wir auch theoretisch das Verhalten in verschiedenen Situationen, bei denen es zu einem Aufeinandertreffen von Mensch und Bär kommt, u.a. das Einschüchtern und die Signalpistole, kennen.
Gestern Nachmittag wurde uns im Materiallager von UNIS die Sicherheitsausrüstung für die Feldarbeit gezeigt. UNIS hat verschiedene Boxen mit Material für bestimmte Gebiete zusammengestellt, z.B. Gletscherrettung, Survivalbox für 3 oder 5 Personen, Snowscooter-Repairkit und natürlich gibt es Avalanche beacons, Emergency beacons und Satelliten-Telefone. Zum Schluss mussten wir dann noch das Notzelt in der Halle aufstellen.

Das Nette an UNIS ist, dass das gesamte Universitätszentrum in einem Gebäude untergebracht ist, das ich recht gemütlich finde. Innen ist alles mit Holz verkleidet und die Schuhe werden am Eingang ausgezogen und man läuft mit Socken oder Schlappen herum. Außerdem ist das Materiallager bzw. die Logistikabteilung natürlich recht groß und gut ausgestattet. Schließlich müssen alle Studenten für Feldarbeit bei widrigen Bediungen ausgerüstet werden.
Am heutigen Tag waren dann die Snowscooter dran, sowohl theoretisch als auch praktisch. Nach einem einführenden Vortrag, in dem natürlich auch die häufigsten Unfallursachen mit netten Fotos von Gletscherspalten und Meereis vorkamen, wurde uns in der Werkstatt gezeigt, was man an einem Snowscooter alles selbst machen kann/muss. Verwendet werden bei UNIS nur noch größere Viertakter, die natürlich auch einiges auf die Waage bringen. An theoretisch beigebrachtem Fahrverhalten sind mir deshalb besonders die Zitate "Dance with the scooter" und "Move your ass" in Erinnerung geblieben. Tatsächlich muss man, v.a. wenn man kleiner und leichter ist, relativ viel mit Verlagerung des Körpergewichts arbeiten. Das geht bis dahin, dass man sich komplett an die eine Seite des Scooters hängt, wenn man an einem Hang entlang fährt. Man sollte es nicht glauben, aber die Dinger fallen relativ leicht um.
In zwei Fällen ist dann auch ein Snowscooter seitlich abgerollt, als wir nach der Mittagspause alles praktisch ausprobieren konnten. Zum Glück nicht meiner ;) und es ist auch nichts passiert. Für das Fahrtraining sind wir in ein Gletschertal gefahren und haben an den Hängen verschiedene Übungen gemacht. Ich war sehr erstaunt, dass wirklich jeder seinen eigenen Scooter zum Fahren bekam. Das Ganze hat natürlich super viel Spaß gemacht, war aber auch nicht ganz unanstrengend. Netterweise haben die Snowscooter eine einstellbare Griffheizung. Diese habe ich jedoch nach einiger Zeit ganz abgestellt, da ich sonst in dem tollen Scooteranzug samt Gesichtsmaske und Helm noch mehr geschwitzt hätte. Erst am Schluss unserer Ausfahrt bei höheren Geschwindigkeiten und stürmischem Wind hat man dann gemerkt, wie gut es ist, geeignete Kleidung zu tragen. Und natürlich wie wichtig es ist, alles abzudecken...Morgen beginnt dann der eigentliche Kurs mit vielen erstmal theoretischen Vorlesungen. Abenteuerlich wird es aber sicher weiterhin sein. Und auf eine Nahbegegnung mit dem Eisbär z.B. zwischen den Häusern kann ich auch weiterhin verzichten.
Liebe Grüße
2 Kommentare:
Wenn ich mir die Tabelle mit dem Windchill-Effekt anschaue, dann scheint ihr da oben doch ziemlich extreme Verhältnisse zu haben. Da heißt es, sich warm einpacken und lieber mal zu warm haben.
Trotzdem viel Spaß bei den vielen neuen Erfahrungen!
Liebe Grüße aus dem vieeeel wärmeren Süddeutschland. M.A.
Der Elch fragt:
lEBST DU NOCH ODER SCHMECKST DU SCHON?
GRUSS AUS KA
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