Montag, 9. Februar 2009

Trip nach Ålesund

Hallo aus dem mittlerweile wieder tiefst verschneiten Trondheim!

Die "reisenden Engel" aus Schottland (Zitat) haben uns nicht nur wieder den erhofften Neuschnee gebracht, sondern auch einen tollen Trip nach Ålesund bewirkt. Obwohl es nicht so wahnsinnig viele Kilometer (ca. 300 km von Trondheim) waren, saßen wir relativ viel im Auto.
Nichtsdestotrotz sind wir um viele schöne Eindrücke reicher und wir finden, dass wir unserem Besuch richtig gut was bieten und Norwegen etwas herzeigen konnten.

Nachdem Zachi Alex und Michi am Donnerstag, wo ich mehr oder weniger den ganzen Tag beim Kardiologiepraktikum auf der Uni war, zu Fuß durch die Stadt geführt hat, waren die beiden einem Ausflug auf fahrendem Untersatz nicht abgeneigt (Zitat Alex: "Ich hab auch nichts dagegen, die ganze Zeit nur im Auto zu sitzen und die Landschaft anzuschauen."). Und da auch wir schon immer mal in die (laut einer Umfrage unter Norwegern) schönste Stadt in Norwegen wollten, war das Ziel schnell klar. Es sollte in die Küstenstädte Kristiansund, Molde und Ålesund gehen.
Am Freitag Morgen ging es los und das Wetter hat sich von seiner besten Seite gezeigt. Etwas Zeit verloren wir dadurch, dass die E39 streckenweise gesperrt war, sodass wir die RV65 als Umfahrung wählen mussten, was eben doch ein Stückchen mehr ist. Bis nach Molde gab es immer wieder wunderschöne Fjordarme zu bewundern, die teilweise ganz zugefroren waren; darüber zogen sich sehr majestätisch weiße Berggipfel.
Beeindruckend war auch die Brücke kurz vor Kristiansund (in der Stadt selbst haben wir erst bei der Rückfahrt vorbeigeschaut). Die Gjemnessundbrua ist mit 1257 m die längste Hängebrücke in Norwegen, ihre Hauptspannweite beträgt 623 m (Quelle: wikipedia).

Ein toller Anblick sollte uns in Molde erwarten, denn auf der gegenüberliegenden Seite von Molde, über dem Moldefjord gelegen, hat man Ausblick auf 222 Spitzen der Berge (laut Reiseführer). Der Fotoapparat kann das leider nicht einmal annähernd ablichten.
Molde wird aufgrund der üppigen Vegetation, die man auf 62° nördlicher Breite nicht vermuten würde, auch die Stadt der Rosen genannt (davon hat man im Winter allerdings wenig gesehen, wir glauben also dem Reiseführer).
Eigentlich wollten wir auf den Hausberg "Varden" hinauf, allerdings hätte es bis zum Aussichtspunkt doch noch einer kleineren Wanderung bedurft, da der Fahrweg gesperrt war. So viel Zeit hatten wir leider nicht. Deshalb haben wir uns zur Schisprunschanze von Molde begeben, dort gejausnet und gleichzeitig in der Sonne einen tollen Ausblick auf das Panorama genossen.

Nach einer weiteren Fährüberfahrt (es war zwar ziemlich kalt, dafür war der Ausblick ganz toll, man sieht, wie die einzelnen Fjordarme vom Moldefjord weggehen, und überall sind weiße schneebedeckte Berge) waren wir auf der Straße, die ca. 1 h später in Ålesund geendet hat. Der einzige Campingplatz, der auch im Winter geöffnet hat, hatte zum Glück auch ein Zimmer mit Küche für uns frei, und mit dem Wissen, bereits eine Unterkunft zu haben, konnten wir vom Hausberg "Aksla" einen schönen Sonnenuntergang über dem Städtchen bestaunen. Ålesund liegt langgezogen an der Spitze einer Landzunge, und hat Verbindungen zu einigen Inseln, die mit Unterwassertunneln miteinander verbunden sind. Diese sind teilweise sehr tief (150 m unter dem Meeresspiegel) bei gleichzeitig nur ca. 3 km Länge.
Eine Besonderheit ist die Architektur, Ålesund wird auch "Stadt des Jugendstils" genannt. Nach einem verheerenden Brand im Jahr 1904, bei dem fast alle Holzhäuser abgebrannt sind, wurde der Bau mit Holz gesetzlich verboten und nach dem modernen Stil der damiligen Zeit wieder aufgebaut. So ist Ålesund heute die einzige Stadt in Norwegen, die nur aus Stein gebaut ist . Es finden sich relativ viele schön verzierte Häuschen und in den Auslagen gibt es immer wieder mal richtig authentische Dekorationen im Stil des beginnenden 20. Jahrhunderts.

Am Samstag haben wir bei strahlendem Sonnenstein noch einmal Ålesund genossen und sind dann gegen Mittag wieder Richtung Kristiansund aufgebrochen. Dafür haben wir den etwas längeren Weg über den "Atlanterhavsveien" (RV64) gewählt - ein Weg, der sich nicht nur an Fjorden, sondern zum ersten Mal auch am offen Meer entlangzieht. (Dies ist auf der obigen Karte nicht eingezeichnet.) Das Wetter war dort leider nicht mehr ganz so gut, was aber die Rauigkeit des nördlichen Atlantik etwas authentischer dargestellt hat. ;) Die Hauptkonstruktion des Atlanterhavsveien ist ein 8274 m langes Straßenstück, auf dem 8 Brücken zwischen kleinen Inseln und Schären einen Meeresarm überspannen (Quelle: wikipedia). Diese Straße wurde von den Norwegern 2005 zur "Konstruktion des Jahrhunderts" gewählt.
Bevor es auf die Fähre nach Kristiansund ging, haben wir uns noch eine alte Stabkirche von außen angeschaut. Auf die Fähre mussten wir leider relativ lange warten. Der Betrieb ist am WoE ziemlich eingeschränkt und der Tunnel, der die eine Insel mit der anderen verbindet, wird erst im Sommer 2009 fertig gestellt.
Da es schon fast finster war, haben wir in Kristiansund nicht mehr viel angeschaut. Der Reiseführer vermerkt zur Stadt auch nur, dass es eines der wenigen Beispiele ist, wo der Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg architektonisch geglückt ist.
Danach ging es in einem Unterwassertunnel wieder weg von der Insel, auf der Kristiansund gelegen ist. Bis 1992 war es die einzige Stadt in Norwegen, die nur per Fähre zu erreichen war. Offensichtlich ist der Tunnel samt Gjemnessundbrücke (das gesamte Bauprojekt heißt "Krisfast") nocht nicht refinanziert, sonst wäre die Mautstelle wieder entfernt worden wie in Norwegen üblich. Überhaupt haben wir auf dieser Fahrt zum ersten Mal richtig zu spüren bekommen, was die vielen Fjorde, die sich tief ins Land einschneiden, für das Verkehrswesen bedeuten - und recht viel Maut und Fährgebühren bezahlt.
Die verbleibenden 190 km nach Trondheim haben sich dann ziemlich gezogen (weniger für uns als für Zachi, der die ganze Zeit am Steuer saß. Ich muss ehrlich sagen, dass ich bei diesen Verhältnissen niemals so gut gefahren wäre wie er....) V.a. die entgegenkommenden Autos, die ihr Abblendlicht (bzw. auch ihre Zusatzlichter, die überall montiert sind), erst ganz spät -wenn überhaupt- ausschalten und zu dieser Jahreszeit die glatten Straßen, stören ziemlich. Aber wir sind wieder gut in Trondheim angekommen und haben wunderbares Käsefondue genossen.

Richtig viel Schnee kam erst am Sonntag, wo wir unseren Gästen einen Ausflug zum Pizza-Turm nicht vorenthalten konten. Der Ausblick auf Trondheim war zwar etwas im Nebel versteckt, später wurde es dann aber doch klar, sodass man in der Dunkelheit (bzw. der Beleuchtung der Stadt, die schon ziemlich hell ist) u.a. die Highlights von Trondheim, den Fjord, die Bymarka und den Nidarosdom, erahnen konnte.
Der Weg nach Hause war schneereich und das Plastiksackerlrutschen über den Berg, sowie die Schneerauferei waren sehr lustig. Vielen Dank an Alex und Michi für den Besuch!

2 Kommentare:

alex hat gesagt…

Hallo Ihr beiden,

danke für den wunderschönen Wochenendtrip, auch wenn ich sagen muss, das Zitat ist aus dem Zusammenhang gerissen. Das bezog sich darauf, wenn wir schlechtes Wetter haben und deswegen nicht aus dem Auto können/wollen, hab ich nichts dagegen ne reine Rundfahrt zu machen. ;-)

Viele Grüße

Alex

PS: Wir freuen uns schon auf den Gegenbesuch.

Naru hat gesagt…

Hiho,

War echt toll mit euch ^^

Norwegen ist schön, auch wenn ich mich jetzt freue, dass ich wieder in Schottland bin.

Gegenbesuch muss sein ;)

Liebe Grüße
Michi