Montag, 8. September 2008

Snøhetta

Hei hei!

Dieses Wochenende sind wir wie angekündigt auf's Dovrefjell gefahren, um den Snøhetta (zu deutsch: Schneemütze) zu besteigen. Obwohl wir uns am Donnerstagabend ja recht kurzfristig für diese Aktion entschieden haben, lief alles total gut und die Wanderung auf und um den höchsten Berg Norwegens (2286 m) außerhalb des Jotunheimen-Gebirges war ein tolles Erlebnis.

Am Freitagnachmittag sind wir zu fünft gestartet. Mit uns waren Max, Simon und Sunna, die wir noch vom Sprachkurs kennen. Unsere Abfahrt wurde durch späte Einkäufe aber noch etwas verzögert. So waren wir über das ganze Wochenende hinweg aber bestens versorgt. Dass man so viele Sachen durch's Gebirge schleppen kann... Als wir dann loskamen, war der Wochenendanfangsstau in und um Trondheim leider noch immer nicht vorüber, sodass wir ein Weilchen brauchten, bis wir im üblichen Reisetempo von 90 km/h (oft auch nur 70 km/h) auf der E6 nach Süden fahren konnten. Nach zweieinhalb Stunden, kamen wir dann in Hjerkinn an, wo der Weg auf's Dovrefjell, eine Schotterpiste, von der E6 abzweigt. Dort gibt es eine Schranke, die die meiste Zeit auch geschlossen ist, da dieser Teil des Dovrefjell militärisches Übungsgelände ist. Wir hatten uns vorher schon telefonisch versichert, dass wir durchfahren konnten. So mussten wir nur einen kleinen Obulus für die Durchfahrt entrichten und konnten die letzte halbe Stunde Richtung Berg fahren. Das Wetter war, wie schon bei unserer Trollheimen-Tour anfangs nicht so toll und für die Nacht waren Minusgrade angesagt. Dennoch haben wir am Endparkplatz unser Zelt aufgeschlagen und uns in der Dunkelheit dann noch feinen Reis mit Gemüse gekocht. In der Nacht war es tatsächlich erstaunlich kalt (-5°C) und am nächsten Morgen gab es dichten Nebel. Dabei war voller Sonnenschein vorhergesagt! Es war aber keine Frage, dass wir trotzdem aufsteigen wollten, und so hofften wir darauf, dass sich die Wolken auflösen würden. Die Zelte ließen wir im Auto, da wir am Abend in einer von zwei Hütten in diesem Gebiet übernachten wollten; das Gepäck war auch so schwer genug. Der Nebel lichtete sich im Laufe der Zeit tatsächlich etwas, aber wir hatten nie Sicht auf unser Ziel, den Gipfel (Stortoppen, Karte von etojm.com) des Snøhetta.

Der Snøhetta wurde lange Zeit für den höchsten Berg Norwegens gehalten, da er im Gegensatz zu den Jotunheimen-Gipfeln doch eher alleine dasteht und zudem mit seinen vier, zum Teil zerklüfteten Gipfeln eine imposante Erscheinung darstellt. Daher spielte er auch in der Zeit der norwegischen Nationalromantik eine wichtig Rolle.
Am Samstag wehte beständig starker Südwind, sodass der Berg die ganze Zeit von Wolken angeströmt wurde und wir im Wind über den Ostgrat aufsteigen mussten. Außerdem führte das dazu, dass wir nie Aussicht nach Süden hatten. In Richtung Nord hatten wir aber immer wieder Glück und konnten die grandiose Aussicht über die Fjelllandschaft bis zu den Trollheimen-Gipfeln genießen, wenn gerade keine Wolke da war. Einige Zeit mussten wir aber auch im Schneetreiben aufsteigen. Oben lag entsprechend einiges an Schnee und wir verweilten nicht sehr lange auf dem Gipfel.

Wir entschieden uns, nicht denselben Weg zurückzugehen, da wir in der Åmotdalshytta im Westen des Berges übernachten wollten. Es stellte sich aber heraus, dass diesen Weg an dem Tag noch niemand gegangen war. Der Gipfelgrat wurde eher noch schmäler, bis wir uns dann unseren Weg durch ein ewig langes, eingeschneites Geröllfeld suchen konnten. Der einzige Spaß waren Schneefelder und ein Gletscherrand, auf dem man durch Schlittern schnell vorankam. Leider hatte ich mir genau oben auf dem Gipfel das Knie angeschlagen, sodass die 1000 Höhenmeter Abstieg aus dieser Sicht eine ziemliche Qual waren. Das Wetter war nachmittags aber besser und so konnten wir uns dauerhaft am Blick über die Weiten des Fjell und auf unsere Hütte, die nicht näher kommen wollte, erfreuen. Unsere Fünfergruppe war diesmal wirklich sehr harmonisch und ähnlich schnell, sodass das ganze Wochenende über auch eine tolle Stimmung herrschte.

Gegen acht Uhr abends kamen wir dann an der Hütte an, wo wir auch tatsächlich die einzigen waren, die über den Gipfel dorthin kamen. Außer uns waren noch einige Jäger da, die "leider" kein Ren zu Gesicht bekommen hatten. Wir suchten uns unseren Schlafplatz dann im der kleinen Nebenhütte und heizten für diese Nacht kräftig mit selbstgesägtem Holz ein.

Nach einer gemütlichen Nacht in der warmen Stube, wurden wir -fast schon kitschig- von der strahlenden Sonne geweckt, die ins Fenster schien. Neben der Hütte war ein See, in dem sich die rundumliegenden Berge gestochen klar spiegelten. Das war sehr beeindruckend. Simon und Sunna sind auch ins Wasser gegangen, das aber wohl ziemlich kalt war. Wir fanden, dass es genauso schön war, am Ufer zu sitzen und den beiden zuzuschauen.

Nach dem Frühstück kam der „Hüttenwirt“, der zwar irgendwie auch nur ein Gast zu sein schien, aber einige Wochen dort wohnt und sich um alles kümmert, und gab uns –auf deutsch- einige Instruktionen, wie wir die Hütte verlassen sollten. Vom Essen des Vorabends war noch etwas Geschirr abzuspülen, da das Wasser am Abend nicht mehr warm genug war. Interessanterweise war aber mehr Geschirr zum Abspülen übrig als nur unseres. Alle anderen Hüttengäste waren mittlerweile schon wieder aufgebrochen und so blieb es also an uns hängen. Dann meinte der Norweger auch noch, ob wir nicht noch den Boden nass aufwischen könnten. Das wurde dann auch noch brav erledigt, aber irgendwie kamen wir uns etwas seltsam vor, weil eigentlich die 20 anderen Hüttengäste alle so gegangen waren und wir praktisch den schwarzen Peter gezogen hatten. Aber schlussendlich konnten wir –zu etwas fortgeschrittener Uhrzeit als üblich- doch noch den Rückweg zum Auto antreten.

Das Wetter war wunderschön und richtig warm und die Wanderer, die an diesem Tag den Snøhetta besteigen wollten, hatten sicher eine tolle Aussicht auf das Jotunheimen-Gebirge (mit den 2 höchsten Bergen Norwegens). Allerdings waren wir auch froh, den etwas gemächlichern Weg gehen zu können. Der erneute Aufstieg auf den Snøhetta hätte doch noch erheblich länger gedauert. Aber ganz flach war unser Rückweg auch nicht, wir legten einige Höhenmeter zurück. Was wir bis dahin allerdings nicht gesehen haben, waren die berühmt-berüchtigten Moschusochsen, wovon ca. 100 Stück in Norwegen leben, der Großteil im Nationalpark Dovrefjell.

Da der Schranken für das Militärgebiet, das man durchfahren muss, um wieder an die E6 (= so etwas wie Autobahn zw. Oslo und Narvik im Norden, mit der unglaublichen Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h) zu gelangen, nur zwischen 16 und 17 Uhr offen war und danach erst ab 20 Uhr wieder, haben wir beschlossen, uns für den Rückweg Zeit zu lassen.
Wir haben öfter (Keks)Pausen gemacht und das schöne Wetter mit der tollen Aussicht genossen. Trotzdem ist uns die Landschaft ziemlich karg vorgekommen. Fast alles, was nach saftigen Wiesen aussah, war meistens flechtenüberwucherter Stein. Im Tal gab es dann neben dem Fluss doch auch etwas Moor mit dem typischen Wollgras. Und immer begleitete uns der beeindruckende Blick auf den Snøhetta.

Als wir wieder in Snøheim beim Parkplatz waren, trafen wir auf ein Ehepaar aus Baden-Württemberg (Zachi hat das Kennzeichen SIG für Sigmaringen gleich erkannt und die beiden auf deutsch angesprochen). Die beiden waren gerade dabei, eine Herde Rentiere (über 100!) mit ihrem Teleskop zu sichten und da durften wir auch alle einen Blick darauf werfen. Freilebende Rens sind ziemlich scheu und die sieht man also nur mit viel Glück (und/oder guter Ausrüstung). Zur Krönung bekamen wir mit dem Fernglas auch ein paar Moschusochsen zu sehen und die beiden meinten, dass wir gute Chancen hätten, bei der Rückfahrt an der Straße einige zu Gesicht zu bekommen.

Dem war dann auch tatsächlich so. Man darf sich ja nicht auf mehr als 200 m nähern (Lebensgefahr!), aber bei uns auch noch ein Graben dazwischen und so waren wir ca. 300 m nah. Da es schon gedämmert hat, sind die Fotos nicht so besonders gut geworden. Aber keine Sorge, in Wirklichkeit haben unsere Augen -im Gegensatz zur Kamera- mehr als nur den schwarzen Fleck auf dem rechten Foto gesehen. Als Wissender kann man ihn aber durchaus als Ochsen identifizieren, ikke sant (=nicht wahr)? Aber für alle, die nicht so viel Fantasie aufbringen können oder wollen, posten wir auch ein Bild in etwas besserer Auflösung von der Wikipedia-Seite. Was wir aber leider nicht zeigen können, ist die Geschwindigkeit mit der diese Tiere laufen können. Das war auch sehr beeindruckend, aber gleichzeitig beängstigend.

Es war dann schon ziemlich spät, als Zachi uns nach 3 Stunden Fahrt wieder in Trondheim "ablieferte". Und ein ganz tolles, aufregendes und spannendes Wochenende war zu Ende. Unsere bislang sicher imposanteste Tour!

6 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hallo ihr Ausreißer!
Wir sind in Reichenbach zum Kundendienst für die Knie. Der Doktor sagt "sehr gut". Der hat gut reden und wir müssen zufrieden sein. Euch geht es anscheinend auch gut. Wir hoffen, dass es so bleibt und grüßen euch herzlich.
Tante Liesel, Opa u. Gere

Anonym hat gesagt…

Hei,
habe gestern Abend und heute immer wieder auf eure Seite geklickt, um zu sehen wie euer Wochenende war. Die Bilder sind toll! (3. Bild in der 2. Reihe!!)
Bei uns hat der Alltag heute auch wieder begonnen.
Ganz liebe Grüße in den Norden
M.A.

Anonym hat gesagt…

Hallo Tesi und Zachi!
Auch ich war schon auf euren Bericht gespannt. Das war ja ein wunderschöner Ausflug in den Bergen, ich habe große Sehnsucht nach zu euch bekommen, da mitzuwandern wäre was für deinen Opa!
Ganz liebe Grüße
Opa aus Weiz

Anonym hat gesagt…

will auch will auch will auch :-)
Moschusochsen hab ich ja schon gesehen und die sind ja wirklich wirklich gefährlich, wie es scheint. Kann mich noch an die schilder damals im nationalpark erinnern....überall der Hinweis "Abstand halten" und dann irgendwie so ein tipp, dass man wenn man ihnen doch zu nahe kommen sollte, sie nicht anschauen darf und sich am besten gaaaaanz klein macht und sich gaaaaaanz langsam entfernt oder so irgendwie....

Florian Ederer hat gesagt…

Bergphotos gefallen mir immer gut. Ein bisschen flach sieht das ganz trotz der angemessenen Hoehe aber doch aus, aber vielleicht taeuschen die Photos ein wenig.

Zachi hat gesagt…

Angesichts der Tatsache, dass von den vier Gipfeln des Snøhetta zwei nur für Leute mit Kletterausrüstung zu erreichen sind, würde ich sagen, die Bilder täuschen durchaus ein bisschen. Aber du hast recht, abgesehen von der fast senkrechten Südost-Wand und dem Gipfelgrat ist der Snøhetta sicher nicht der steilste Berg... Aber sehr imposant!